Genauere Untersuchung des Druidenstein Kröblitz

Druidenstein KröblitzErstmals in der langen Geschichte des Sagen umworbenen Kröblitzer „Druidensteins“ wurde dieser im Herbst 2006 radiästhetisch und physikalisch genau untersucht (Beitrag “Rutengänger klopfen Druidenstein ab” aus der MZ). Das Ergebnis ist sehr interessant und bestätigt das, ich ich damals auch bei meinem Besuch dort feststellen konnte; nämlich dass es ein sehr kraftvoller Ort ist.

Vielen Dank an Dieter, der mich darauf hingewiesen hat!

Der Name “Druidenstein” ist vor 1840 weder auf Karten noch auf Plänen zu finden. Erstmals in der Uraufnahme für Kröblitz aus dem Jahre 1840 ist der Name „Drudenstein” fixiert ( Pl.Nr. 144, Wäldchen ). Im Liquidationsprotokoll von 1840 für den Besitzer des Druidensteins, Johann Kirchberger, sieht allerdings „Druidenstein” geschrieben. Friedrich Panzer schreibt Um 1848 in seinem Buch über bayerische Sagen und Bräuche „Truden-stein”. Offensichtlich führt unter den zahlreichen ähnlichen Steindenkmälern der Oberpfalz nur unser „Druidenstein” diese offizielle Bezeichnung. Wie die teilweise landfremden Landvermesser um 1840 den mundartlichen Namen ins Schriftdeutsch« umgesetzt haben, steht auf einem anderen Blatt. Dorrer behauptet 1911, im Volksmund hieße der Druidenstein „Trunstoi” und versucht deshalb alternativ, einen „Thronstein“ herauszufiltern. Der Volksmund und die meisten Heimatforscher leiten den Namen „Druidenstein” allerdings von den keltischen „Druiden” ab.

Die Druiden waren Priester bei den keltischen Völkern. Urkeltisch heißt „druuid” – eichenkundig (dru – Eiche). Der Kult der Eichen spielt bei den Kelten eine besonders wichtige Rolle. Eigenartig berührt es uns schon, wenn in Kröblitz ein „Eichenhain” überliefert und als benachbarter Flurname „Eichenacker” belegt ist. Auf diesen Zusammenhang hat bisher noch niemand hingewiesen. Keltische Druiden stammten aus dem Adel und standen mit religiösen Mythen in Verbindung, sprachen Recht, sorgten für die Erziehung der Jugend, wahrsagten die Zukunft und bewahrten ihre religiöse Geheimlehre. Von großer Bedeutung ist, dass sie bei „Opfern” anwesend und hilfreich waren. Kaiser Claudius hob den „druidischen Gottesdienst” auf, weil er mit Menschenopfern verbunden war. Als Ursprungsland der Druiden gilt England, wo das Druidenwesen am höchsten blühte. Kelten siedelten auch zwischen Alpen und Donau, ob sie aber bis ins Schwarzachtal vorgestoßen sind, ist fraglich.

Der überlieferte Name „Druidenstein” veranlasste .die Heimatforscher Gustav Dachauer und Georg Dorrer, die Kröblitzer Felsgruppe als „keltische Opferstätte” einzustufen. Ein zweiter „Beleg” für diese These sei die menschenähnliche Vertiefung mit

Blutrinne in einem Stein, die für Menschenopfer diente. Als dritten Beweis führt Dachauer die in den Stein geritzten angeblichen Schriftzeichen an, die Dorrer in seiner Stadtchronik zeichnete. Dachauer ordnet diese Zeichen dem keltischen Runenalphabet zu und übersetzt spekulativ: „Ri, hu, i i” – „dem König Hu bist du mir”. Die Anlage ist nach seiner Meinung von Menschenhand geschaffen und eine keltische Kultstatte, dem Sonnengott „Hu” geweiht. Der Druidenstein sei damit als Monument der westeuropäischen Megalithkultur (Großstein-Kultur) zuzurechnen, zu der auch Megalithgräber wie Dolmen und Ganggräber gehören. Zur Megalithkultur zählen natürlich auch Steinsetzungen und Steinkreise. Prompt fand Dachauer in einem Abstand von rund 30 m noch Reste eines „Steinkreises”. Dazu liegen aber keine genauen Aufzeichnungen vor. In der Natur sind außerdem dazu keine Anhaltspunkte erkennbar. Die Luftbildarchäologie hat sich übrigens dieses Objekts noch nicht vorgenommen.

Heimatforscher Dachauer hat die „Druden” als zweite Erklärung zu unserem Phänomen herangezogen. Die Druid ist in der germanischen Mythologie ein weibliches, meist böses Gespenst bzw. „drückender” Nachtgeist, das den Menschen „drückt” (gotisch trudan, mittelhochdeutsch trute). Die Druid ist vornehmlich im bayerisch österreichischen Sprachraum gebräuchlich. In der Oberpfalz gehört die Druid zum Sagenkreis. „Drudenfuß” (fünfeckiger Stern – Pentagramm) und Drudenstein (im Wasser gerundeter Stein mit Loch) gelten im Volksglauben als Schutzmittel. Es gibt aber auch den „Drudenstein” (auch Trudenstein) als Berg der Druden; in Süddeutschland sind damit Steine auf Höhen gemeint, wo sich nach dem Aberglauben „weibliche Plagegeister” versammeln. Im Aberglauben drücken sich Druden an diesen Steinen (Pronau, Kirchenrohrbach). Da die Vertiefungen in diesen Steinen von den Umarmungen, vom Drücken kommen, so werden solche Steindenkmale auch „Drudensteine” genannt.

Um die Lösung des Rätsels „Druidenstein” hat sich als erster Gustav Dachauer 1865 bemüht, indem er den Historischen Verein in Regensburg von der Existenz des Druidensteins informierte. 1878 berichtet Georg Dorrer im 1. Band seiner Stadtchronik: Name, heidnische Opferstätte, von Menschenhand geschaffen, rätselhafte Schriftzeichen. 1903 veröffentlicht Gustav Dachauer seine Beobachtungen und Spekulationen in der „Beilage zur allgemeinen Zeitung”: Felsgruppen als Naturgebilde oder Menschenwerk, Rillen, Schalen, Rinnen, Zeichen aus dem keltischen Runenalphabet und eine Sage. 1911 wandte sich Bezirksamtmann Anton Lieb an das kgl. Generalkonservatorium der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns (heute Landesamt für Denkmalpflege) und bat um Aufklärung. Das Amt hat offensichtlich den Druidenstein in Augenschein genommen und erklärt den „Drudenstein” als „eine durch natürliche Denudation und Erosion gebildete Granit blockgruppe”. Das Loch im obersten Stein sei neueren Datums, die Mulden und Löcher auf anderen Blöcken seien durch Tropfwasser entstanden, die sonst üblichen „Näpfchen” und „Schälchen” der Opfersteine fehlten hier zwar, seien aber anderenorts ebenfalls natürlichen Ursprungs. Außerdem wird vermerkt, dass nach dem damaligen Stand der prähistorischen Fundstatistik, das Waldgebirge bis etwa Schwandorf in vorgeschichtlicher und germanisch-römischer Zeit unbesiedelt gewesen sei”.

Hier irrt das Generalkonservatorium, denn nach heutiger Forschung wissen wir, dass „der Wald” so undurchdringlich nicht war. Das Schwarzachtal war nämlich seit der Mittel- (12000 bis 4000 v. Chr.) und Jungsteinzeit (4000 bis 1800 v. Chr.) sporadisch „besiedelt”, d.h. Jäger und Sammler hielten sich eine gewisse Zeit auf den Flussterassen der Schwarzach auf, stellten Ihre Steinwerkzeuge (Mikrolithen) her und gingen im Tal auf die Jagd. Da Dorrer 1933 im Umkreis des Druidensteins solche Mikrolithen fand, können wir davon ausgehen, dass Menschen in der Mittelsteinzelt am Druidenstein Station machten. Geradezu magisch zog eine solch exponiert aus der Landschaft herausragende Felsgruppe die Menschen an, konnten sie auch von hier aus das Tal gut beobachten. Dorrer fand überdies 1911 heraus, dass das oberste Loch aus neuerer Zeit stammt, als es die Herrschaft Weinbach in den Fels schlagen ließ, um den Pfosten eines „Schwammerldaches” befestigen zu können.


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Kategorien: Druidensteine

Erstellt 09.01.2011 | Letztes Update 31.08.2012 | 2326 Aufrufe