Hoher Stein – Ein Sonnenheiligtum?

Hoher Stein Seit November 2011 mache ich im Rahmen der Serie „12 Monate am Hohen Stein“ jeden Monat ein Bild des Hohen Stein bei Möckenlohe.

Nun hat mich Ralf Herold vom Projekt „Götterhand“, der auf die Serie über den Hohen Stein aufmerksam geworden ist, angeschrieben und hat mir den Tipp gegeben, den Hohen Stein am Tag der Sommersonnenwende zu besuchen. Dieser Zeitpunkt ist sehr günstig zu sehen, wie die Sonne steht und was passiert. Hintergrund ist die Vermutung, dass der Hohe Stein eventuell ein Sonnenheiligtum ist.

Bereits die Maja (Sonnentempel von Teotihuacán) bestimmten die Jahreszeit dadurch, dass an bestimmten Tagen im Jahr (in der Regel die Winter- oder Sommersonnenwende) die Sonne an einen ganz charakteristischen Platz fiel, anhand dessen die Berechnungen gemacht wurden. Die meisten dieser Objekte sind auch heute noch voll funktionstüchtig. Die Menschen hatten sich bereits damals nach diesen natürlichen Gegebenheiten gerichtet und am Tag des Ereignisses auf die Sonne ausgerichtet.

Für ein solches Sonnenheiligtum gibt es Voraussetzungen:

  • Bei den Objekten handelt es sich immer um einen meist auffälligen, markanten Felsen oder eine Steingruppe von in der Regel mindestens drei Steinen.
    [erfüllt]

  • Die Objekte befinden sich auf Bergkuppen, Berghängen oder an Bächen mit freiem Blick mindestens zum südlichen und östlichen Himmel.
    [damals wurde das vermutlich erfüllt; heute schwer]
  • Sichtfenster als Loch, Tor oder Sehschlitz in Klüften und Spalten oder hinter angelehnten oder angehobenen Steinplatten sind ein Hauptmerkmal. Sichtfenster können sich auch durch Sichteinengung bei Änderung des Blickwinkels in großen Spalten oder Felsentoren ergeben.
    [wird überprüft]
  • Mitunter wurden im Umfeld der Objekte bereits vorzeitliche Werkzeuge oder Siedlungen gefunden.
    [erfüllt – Viereckschanze Möckenlohe]
  • Viele Objekte tragen den Teufel im Namen (z.B. Teufelsstein, Teufelskanzel, Teufelsschmiede, Teufelsküche, Teufelstisch, Teufelsmühle) oder sind mit Schatzsagen und mystischen Legenden umwoben. Aber auch Assoziationen zu Heiligen, Göttern, Jungfrauen, Jahreszeiten, Sonne und Licht bieten Anhaltspunkte.
  • Häufig befinden sich Objekte in der Nähe von Orten, die das Wort Hain, Heim, Sonne, Licht, Weiß, König oder mystische bzw. jahreszeitliche Assoziationen im Namen tragen, wie zum Beispiel: Frühlingsberg, Sonneberg, Winterberg, Lichtenhain, Köngshain, Ottenhain, Hainewalde, Taubenheim, Lichtenberg, Thorberg, Czorneboh, u.ä.
  • Visiersteine (Kimme) sind immer kleiner als der Felsen oder Stein (Korn), der näher an der Sonne steht und über welchen die Sonne anvisiert wird. Steine, welche als Korn fungieren sind häufig künstlich aufgerichtet und werden durch andere Steine gehalten oder mit Keilsteinen gesichert.
    [wird überprüft]
  • Visiersteine sind häufig auffallend spitz oder gleichmäßig gerundet. Mitunter tragen sie zudem Merkmale wie zum Beispiel: Löcher, Kerben, Buckel, Steineinschlüsse.
    [wird überprüft]
  • Befinden sich mehrere Felsen im Umfeld, ist das gesuchte Objekt in der Regel eher einer der Kleineren.
    [wird überprüft]
  • 10. Der Beobachtungsstandort ist zugänglich, sicher und bietet mindestens einem Beobachter bequem Platz. Häufig gibt es eine Sitzmöglichkeit.
    [wird überprüft]
  • Steinkeile dienen an vielen Objekten als konstruktives Element oder Werkzeug.
  • An den Objekten oder in ihrer unmittelbaren Nähe befinden sich nicht selten Höhlen oder höhlenartige Spalten. Häufig bieten sie erst die Grundlage für die Sichtfenster zur Sonne.
    [Dolinen vorhanden]

(Quelle: Projekt „Götterhand“)

Diese Punkte werden, bzw. wurden vom Hohen Stein erfüllt. „Wurden“ deshalb, weil sich die Flora der Umgebung in den vielen tausend Jahren verändert hat – wo heute Wald ist, war damals keiner.

Am 22.04.2011 werde ich zum Hohen Stein fahren, mir die ganze Anlage unter diesen Gesichtspunkten ansehen und -so gut es geht- vermessen. Vielleicht lassen sich bereits im Vorfeld eventuelle Konstellationen ableiten.

Allerdings wäre nicht nur der Hohe Stein für ein solches Sonnenheiligtum prädestiniert, sondern auch der Beixenhart oder das Felstor Torfelsen (bzw. Burgstall Torfelsen), Auch diese Orte werde ich bald besuchen und so gut wie möglich vermessen. Vielleicht gibt es auch dort Hinweise auf Sonnenheiligtümer…

Um den 21.06.2011 herum -der Sommersonnenwende-, wird sich herausstellen, ob einer der Orte ein Sonnenheiligtum ist. Ich bin sehr gespannt!




 
 
Kategorien: Exkursionen, Felsen

Erstellt 20.04.2011 | Letztes Update 04.08.2015 | 2703 Aufrufe