Die Kelten und das Oppidum Manching (2) – Aufstieg und Alltagsleben

Der Beginn der keltischen Ansiedlung ist durch zwei Friedhöfe markiert in den Fluren Hundsrucken und Steinbichel grub man vor über 100 Jahren einige Dutzend Frauen- und Männergräber aus. Diese gehörten zu der Generation von Kelten, die nach den großen Wanderungen wieder in Südbayern sesshaft geworden waren.
Die Siedlung begann als kleines Straßendorf, das an einem verkehrsgünstigen Standort errichtet wurde. Die Schifffahrt auf der Donau ermöglichte einen raschen An- und Abtransport von Waren.

Entscheidend für den Reichtum der Siedlung waren Eisenerzvorkommen. Eisen fand sich in Form von Raseneisenerz im Feilenmoos in unmittelbarer Nähe der Siedlung sowie in Form von Bohnerz im Gebiet von Neuburg an der Donau und auf der Alb.
Die Kenntnis der mediterranen Lebens- und Wirtschaftsweise prägte die Geschichte der Siedlung. Bereits bei der ersten planmäßigen Erweiterung um 200 v. Chr. lagen hellenistische Vorbilder einem geplanten Ausbau der Siedlung zu Grunde. Die geordneten Strukturen lassen eine Einwohnerzahl von bis zu 10.000 Menschen während der Blütezeit der Stadt am Ende des 2.Jhd. v.Chr. vermuten.

Bau der Stadtmauer
Aus welchem konkreten Anlass die Mauern errichtet wurden, bleibt unklar. Nach 130 v. Chr. wurden die Zeiten zunehmend unruhig. Das Bauwerk war, den mittelalterlichen Städten vergleichbar, sowohl Bollwerk als auch ein Instrument der Machtdemonstration. Die erste 7,2 km lange Mauer war ein „murus gallicus“. Die zweite Stadtmauer, eine Pfostenschlitzmauer, wurde spätestens 104 v. Chr. errichtet.

Im Osten und Süden und wohl ebenso im Westen und Norden war die Mauer durch mächtige Toranlagen unterbrochen, Das ausgegrabene Osttor hatte ursprünglich zwei Einfahrtswege. Diese verliefen in einer Torgasse, die aus den nach innen einknickenden Mauerenden gebildet wurde. Am Ende der Gasse stand das Tor, eine gewaltige Holzkonstruktion. Eine mittlere Reihe von 1 m dicken Pfosten zwischen den beiden Durchfahrten trug eine Holzbrücke, die über der Durchfahrt die beiden Torwangen verband.

Murus Gallicus
Die erste Stadtmauer wurde im System des „murus gallicus“ um 140/ 130 v.Chr. errichtet. Die etwa 4 m hohe Mauer bestand aus einem Holzbalkenwerk, das mit Bruchsteinen verfüllt worden ist. Die unterste Balkenlage war durch Nägel verbunden. Hinter der Mauer war eine 12 m breite Rampe aufgeschüttet. Die Front wurde mit Bruchsteinen so verkleidet, dass die Balkenköpfe sichtbar blieben.

Für den Bau waren 2 t Eisennägel, 11800 Festmeter Holz für das Rahmenwerk (ohne das Material für die Brustwehr), 6900 m³ Kalkstein für die Frontverkleidung, 100800 m³ Erde für die Rampenschüttung sowie 90000 m³ Erde und Steinmaterial für die Füllung der Mauer notwendig.

Glaube der Kelten
Kult, Magie und Religion sind Ausdruck von Angst und Hoffnung, von der Angst und Hoffnung, von der Auseinandersetzung des Menschen mit
der Welt, in der er lebt. Individuelle Erlebnisse, wie etwa Reaktionen auf Gefahrensituationen, äußerten sich in der Niederlegung von Opfern und Votivgaben. Opfer und Votivfunde begegnen an besonderen Kontaktstellen zum Numinosen, an Quellen, in Brunnen, in Flüssen, Seen und Mooren. Neben der alten Verehrung der Naturheiligtümer errichteten die Kelten feste Anlagen für Heroen-, Opfer-, und Götterkulte. Tempelanlagen gab es außerhalb und innerhalb der Oppida. Im Oppidum von Manching wurden mehrere Tempel ausgegraben, einigen davon können besondere Opfergaben zugeordnet werden. Die Kelten verehrten zahlreiche Götter. Die Hauptgötter waren Esus. Teutates und Taranis.

Handwerk und Industrie
Manching war ein Zentrum des Handwerks. Dies gilt nicht nur für das Schmiedehandwerk, die Töpferei oder die Glasherstellung, auch die Bearbeitung organischer Materialien wie Holz, Stein oder Leder muss hier erwähnt werden.

Die Schlüsselstellung unter den Hand-werkern nahm der Schmied ein. Aus dem direkten Kontakt verschriener Spezialhandwerker untereinander entstanden viele Werkzeuge und Geräte, die sich bis in unsere Zeit in unveränderter Form gehalten haben.

Neben der Zimmerei war das wichtigste Holz verarbeitende Handwerk die Wagnerei. Das Aufziehen der eisernen Radrelfen auf die Felge in heißem Zustand gilt allgemein als keltische Erfindung. Die berühmte Fassmacherkunst der Kelten bediente sich ähnlicher Techniken. Leider sind uns auf Grund der ungünstigen Erhaltungsbedingungen für Holz keine der kunstvollen Schnitzereien erhalten geblieben.

Geld der Kelten
Seit dem Ende des 3. Jhd. v.Chr. prägten die Kelten nordwärts der Alpen Münzen. Zunächst ahmte man nur Vorbilder aus dem Mittelmeerraum nach, bald entwickelte sich aber ein eigener Bildstil mit unverwechselbaren Motiven. Im 2. Jhd. v. Chr. entstand ein komplexes Münzsystem. Es bildete die Grundlage der wirtschaftlichen Organisation in den Siedlungen und Städten. Die Bezahlung von Waren mit Geld löste nun den Tauschhandel ab, Goldmünzen wurden im Fernhandel als Lohn für Söldner, für den Erwerb von kostbaren Waren aber auch als Bestechungsgelder wendet. Silber- und Bronzemünzen dienten zur Abwicklung kleinerer Geschäfte. Neben der Metallsorte diente Gewicht zur Definition des Geldwertes. Die wertvollsten Goldmünzen finden sich vor allem in den Schatzfunden. Die Ursachen für deren Verbergung sind häufig unklar. Sie wurden in den meisten Fällen aus Angst vor Feinden versteckt. Bisweilen handelt es sich vielleicht auch um Opfer an eine Gottheit. Im Oppidum von Manching sind mehrere Bereiche für die. Münzherstellung nachgewiesen. Da ein funktionierendes Zahlungssystem mit einem Münzrecht verbunden ist, müssen mehrere Münzherren in Manching gelebt haben.

Rohstoff Eisen
Das Oppidum besaß eine umfangreiche Eisenindustrie. Roheisen wurde in kleinen Rennöfen außerhalb der Stadt gewonnen. Dort verhüttete man Raseneisenerz aus dem Feilenmoos und Bohnerz von der Alb. Die schmiedbare Luppe wurde in die Stadt gebracht und in verschiedenen Ausheiz- und Schmiedevorgängen zu Barren und Fertigprodukten weiterverarbeitet. Die Eisenverarbeitung ist fast im gesamten Siedlungsareal durch Funde von Schmiedeschlacken, geschroteten Barren, Halbzeug und für die Wiederverwertung gesammeltem Schrott nachweisbar. Der Stand der keltischen Schmiedetechnik war außergewöhnlich hoch; man konnte gehärteten und damaszierten Stahl herstellen, kannte Ätz- und Veredelungstechniken, schmiedete armdicke Geräte ebenso wie filigran verzierte Armringe. Durch die Technik des Emaillierens konnte man auch farbige Verzierungen aufbringen.

Frühzeit der keltischen Kunst
Im 5. Jahrhundert v. Chr. begannen keltische Handwerker auf der Grundlage von etruskischen und griechischen Bildmotiven eine neue Bildsprache zu entwickeln. Aus zwei Hauptmotiven, der Lotosblüte und der Palmette, wurde eine große Zahl neuer Ornamente gestaltet. Die Kompositionen konstruierte man meist durch den raffinierten Einsatz des Zirkels.

Bis zur Perfektion getrieben wurde die Zirkelornamentik in der Marne Region, hier gezeigt an der Scheibe von Cuperly. Die geschaffenen Ornamente sind nicht bloß dekoratives Kunsthandwerk. Sie sind Zeugnisse einer individuellen Auseinandersetzung mit gestalteten Objekten, die zu den keltischen Handwerkern aus dem mediterranen Bereich gelangten.

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Teil 1: „Die Kelten und das Oppidum Manching“
Teil 3: „Untergang und das Leben unter den Römern“
Gesamter Artikel – Teil 1 – 3




 
 
Kategorien: Kelten

Erstellt 29.08.2011 | Letztes Update 10.12.2012 | 2413 Aufrufe