Buchtipp: Keltenstädte aus der Luft

Keltenstädte aus der LuftSabine Rieckhoff ist durch das geradezu legendäre Buch „Kelten in Deutschland“ bekannt geworden; DEM Standardwerk zur Geschichte der Kelten in Deutschland. Wenn sie dann zusammen mit Stephan Fichtl ein Buch mit dem vielversprechenden Titel „Keltenstädte aus der Luft“ veröffentlichen, lässt das auf eine weitere spektakuläre Veröffentlichung schließen. Versprochen wird einem ein Überblick über 32 der historisch interessantesten, wissenschaftlich bedeutendsten und landschaftlich spektakulärsten keltischen Städte. Die einzigartigen Luftbilder bestätigen dies auch eindrucksvoll mit der ungewöhnlichen Perspektive auf diese ersten Städte, deren auffälligstes Kennzeichen ihre zum Teil schier unglaubliche Größe ist.

Einleitung
Der Einstieg ist eine verständliche Einführung in die nur wenige Jahrhunderte dauernde Kultur der Oppida. Dabei wird unter anderem der Bau eines Oppidums damals beschrieben, denn es ist eine große, befestigte Siedlung der Kelten, die sich in einem Gürtel vom heutigen Frankreich über Polen bis hin nach Rumänien erstreckt hat.

Begonnen wird mit der Geschichte der Forschung in der Oppida-Kultur ab der Mitte des 19. Jhd., um den Leser an den heutigen Stand der Erkenntnisse heranzuführen. Das gelingt prägnant, aber ausführlich genug. Die im Rahmen der schon knapp 2. Jhd. dauernden Forschung gewonnen Fakten, werden in dem Kapitel „Topografie, Architektur und Funktion der Oppida“ eindrucksvoll beschrieben und gezeigt. Dabei wird auf Pfostenschlitztechnik und Murus Gallicus sowie die Funktion eines Oppidums eingegangen und auch dem Laien verständnisvoll erklärt. Nachbauten bzw. Modell findet man jederzeit an den größeren Anlagen eines Oppidums und veranschaulicht die bereits damals fortschrittliche, wenn auch vergängliche Technik.

Inhalt
Auf 64 Seiten kommt dann eigentliche Hauptteil des Buches, die gelungenen Auswahl der 32 Keltenstädte. Jeder an Kelten oder Frühgeschichte Interessierte kennt die in Deutschland großen Oppida und lässt sich von ihnen in den Bann ziehen. Dazu zählt z. B. die Heuneburg, von der man nach über 100jähriger Erforschung weiß, dass sie als Fürstengrab und Fürstensitz gedient hat. Die selbe Funktion hatte auch der Ipf bei Bopfingen, der durch sein geradezu spektakuläres Aussehen auffällt und durch die Luftaufnahmen in dem Buch noch verstärkt wird. In dem Kapitel „Spektakuläre Topografie sind dann auch noch weitere beeindruckende Befestigungen zu sehen, darunter die von Jɶvres, Bracquemont, Mont Vully oder Tihany. Überhaupt lässt sich feststellen, dass die meisten der vorgestellten Oppida an landschaftlich beeindruckenden Orten errichtet wurden; geographisch und strategisch wichtig waren sie sowieso.
Ein weiteres Kapitel sind die größten Befestigungen Europas. Natürlich gehört hierzu auch Finsterlohr, von der man nicht sicher weiß, ob es eine Fluchtburg oder Wirtschaftsstandort war. Kelheim war sicher beides, denn auf dem Michelsberg findet man noch heute unzählige frühgeschichtliche Erzschürfstellen. Wegen der Größe würde sicher auch Manching mit seinen ehemals 380 ha in diese Kategorie gehören, aber dieses Oppidum ist neben Bibracte, Murcens, Saté Hradisko oder Steinsburg unter den „Meilensteine der Forschung“ aufgeführt.
Das ist aus meiner Sicht auch der einzige Punkt des Buches, den ich persönlich anders gemacht hätte. Das Buch überzeugt zwar durch seine klare und übersichtliche Gliederung, aber die Kategorisierung hätte ich anders vorgenommen – wie gesagt, meine ganz eigene Meinung.

Ein für den engagierten Laien wichtiges Kapitel ist die Frage, warum die die Oppida verschwanden. Ihr wird ein ausführliches, da wichtiges Kapitel gewidmet, denn gesichert sind hier die Kenntnisse über das Verschwinden nicht. Waren es die Germanen aus dem Norden, die Römer aus dem Süden, Seuchen oder wirtschaftliche Nöte? Die Hochkultur der Oppida dauerte nicht lange, aber erblühte in ihrer Hochzeit mit hellem Glanz. Und da die Kelten nicht gerade als Geschichtsschreiber berüchtigt waren – der bekannteste ist bezeichnenderweise Caesar- , bleibt es zum heutigen Stand der Dinge nur bei Mutmaßungen.

Bei diesem phantastischen Buch findet man unweigerlich Interesse an den unterschiedlichen Oppida und so ist es mehr als konsequent, im letzten Kapitel wichtige touristische Hinweise mit Adressen und kurzen Beschreibungen zu bekommen. Es lohnt sich wirklich ohne Frage, diese beeindruckenden Orte der Geschichte zu besuchen und den Geist der Geschichte von vor über 2.000 Jahren aufleben zu lassen.

Fazit
Das Buch „Keltenstädte aus der Luft“ ist ein sehr detailliertes und fundiert gemachtes Werk, das durch seine sehr beeindruckenden Luftaufnahmen besticht. Man erhält in sehr eingängiger Form grundlegende Informationen über den Bau der Keltenstädte und die Erforschung ihrer Geschichte. Apropos Geschichte – die der Kelten wird auch angerissen, aber nicht besonders vertieft, da es sonst den Umfang sprengen würde. Somit richtet sich das Buch an Geschichtsinteressierte, Freunde der keltischen Kultur und Interessenten der Frühgeschichte. Ein sehr beeindruckendes Buch, das ebenfalls das Zeug zum Klassiker hat!

Meine ganz persönliche Betrachtung
Beim ersten Durchblättern fielen mir die ganzseitigen, ziemlich beeindruckenden Bilder auf. Bei meinen Besuchen des Ipf, des Michelsbergs bei Kelheim und dem Oppidum Manching konnte ich spüren, wie einzigartig und besonders Orte sind – aus der Luft sind sie es noch viel mehr! Jeder, der sich für Kelten und deren mystische Geschichte interessiert, sollte diese Buch gelesen und vor allen Dingen, angesehen haben. Ein absolutes Muss!

Keltenstädte aus der LuftKeltenstädte aus der Luft
Rieckhoff , Sabine / Fichtl, Stephan
2011. 1. Auflage
112 Seiten mit rund 100 farbigen Abbildungen, 21 x 28 cm. Gebunden
ISBN 978-3-8062-2242-5
Preis 24,95 €

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Kategorien: Lesetipps

Erstellt 01.03.2012 | Letztes Update 28.07.2013 | 3022 Aufrufe