Gastbeitrag: Straßenkreuzungen in Rauhnächten

Autor: Sepp Probst |

In den Rauhnächten gehören die Kreuzungen den Teufeln und Hexen, sie tanzen hier und man kann von ihnen unter bestimmten Voraussetzungen die Zukunft erfahren. Es geht am besten in den folgenden Raunächten, der Luziernacht, der Thomasnacht, der Christnacht, Neujahrsnacht und der Hl. Dreikönigsnacht. Man setzt sich in die Mitte der Kreuzung und zeichnet mit Kreide einen Kreis um sich, man kann auch Salz verwenden, der Kreis soll aber nicht zu klein sein, so dass einem die Teufel und Hexen nicht greifen können, überschreiten dürfen sie den Kreis nicht.

Rauhnacht Bayerischer WaldUm Mitternacht kann sich folgendes abspielen: Man sieht um zwölf Uhr die Umzüge des nächsten Jahres an der Kreuzung vorbei ziehen, Leichenzüge, Hochzeiten und so weiter, es kann natürlich sein, dass man seinen eigenen Leichenzug vorbeiziehen sieht. Am besten eignen sich Kreuzungen, die zu einem Friedhof führen, wenn man die Leichenzüge sehen will und Kreuzungen zur Kirche, wenn man eine Hochzeit sehen möchte. Da sich dies ja dann wirklich im nächsten Jahr auf dieser Kreuzung abspielt.

Rauhnacht Bayerischer WaldOder es erscheinen um 12 Uhr die Hexen und Teufel auf der Kreuzung, tanzen und feiern miteinander, wenn du diese dann aus deinem Kreis heraus fragst, was im nächsten Jahr passieren wird, müssen sie dir die Zukunft sagen. Da man sie aber bei ihrer Feier stört, sind sie sehr verärgert, sie versuchen mit allen Mitteln den Störenfried aus dem Kreis zu ziehen, um ihm etwas anzutun. Wenn sie ihn nicht greifen können, versuchen sie ihn mit allerlei Versprechungen aus dem Kreis zu locken, wer ihnen glaubt und aus dem Kreis heraustritt, ist verloren.

Bei den meisten Sagen, die sich um dieses Drehen, sind Menschen, die das erlebt haben, ihr ganzen Leben sehr verstört gewesen und wollten nichts von dem Gesehenen erzählen, denn sie haben ihren eigenen Tod prophezeit bekommen, der meistens dann auch bald eingetreten ist.

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Der Beitrag über die Straßenkreuzungen in Rauhnächten wurde freundlicherweise von Sepp Probst zur Verfügung gestellt. Er schreibt aktiv über das Brauchtum im Bayerischen Wald auf der Facebook-Seite „Mystischer Bayerischer Wald“ und ist Autor der drei Heimatbücher „Zwischen Lusen und Osser„, „Zwischen Geißkopf und Arber“ sowie „Zwischen Rachel und Kaitersberg: Brauchtum, Sagen, Kinderspiele und Rezepte“ (Links jeweils zu Amazon).




 
 
Kategorien: Geschichte

Erstellt 23.12.2012 | Letztes Update 13.01.2014 | 4010 Aufrufe