Keltische Geschichte am Michelsberg zwischen Stausacker und Klösterl

Es ist die Gegend, die ich als „tiefes Keltenland“ bezeichne – der Landstrich zwischen Weltenburg und Kelheim. Eingebettet zwischen dem Michelsberg, Standort des ehemaligen Oppidums Alkmoennis, dem Frauenberg mit Wolfgangswall und dem Wurzberg mit Keltenwall, liegt die beeindruckende Weltenburger Enge. So ist es schon fast ein Muss, diese geschichtsträchtige und kraftvolle Landschaft entlang der geheimnisvollen Donau zu bewandern und zu genießen.

Die Tage machte ich mich auf den Weg, die Tour I von Stausacker über den Michelsberg zum Klösterl zu gehen (wobei das offizielle Ende Kelheim ist). Der Start der Wanderung ist in Stausacker, wo man parkt und auf der Uferstraße entlang der Donau in Richtung Donaudurchbruch läuft. Am Ende folgt man dieser Straße links den Michelsberg hinauf, wo nach wenigen Metern an zwei Schautafeln der Wanderweg I beginnt.

Äußerer Keltenwall
Wenn man das Hochplateau des Michelsbergs erreicht hat, bietet sich ein beeindruckender Anblick. Wuchtig, aber dennoch majestätisch, nimmt der Äußere Keltenwall dort – hoch über Weltenburg – seinen Anfang und zieht sich mehr als 3 km über den Michelsberg. Eine ungewohnte Vorstellung, dass sich dort vor über 2000 Jahren die Kelten vor ihren Feinden verteidigt haben.
Weltenburger Enge - Beginn des Äußeren Keltenwalls

Keltische Erzschürfstellen
Nach einem ungewöhnlichen Blick von der Felskante auf das Kloster Weltenburg, fast wie aus der Vogelperspektive, geht der Weg weiter in Richtung Kelheim. Links liegen vereinzelt muldenförmige, keltische Erzschürfstellen im Wald und erinnern daran, wie die Kelten damals Eisenerz abgebaut haben, um es zu Verhütten und Stahl daraus zu gewinnen.

Weiter führt der Weg – immer in Nähe der Felsen über der Donau – durch einen beeindruckenden, Licht durchfluteten Buchenwald. Immer tiefer dringt man in das ehemals keltische Gebiet ein, auf dem einst das stattliche Oppidum Alkmoennis über den Tälern der Donau und Altmühl ihren Sitz hatte. Die Ruhe des weitläufigen Waldes lassen die Gedanken dahingehend abschweifen, wie das Leben der Kelten an diesem Ort wohl damals gewesen sein mag.

Lange Wand
Ein guter Ort, um die Ruhe der Gegend zu genießen und sich den Eindrücken und Gedanken hinzugeben, ist ein Felssporn, zu dem man vom Hauptweg abzweigen muss. Dort hat man, hoch über der Donau, einen fantastischen Ausblick auf die Felsen der Drei Brüder und den Wurzberg mit seinem Keltenwall. Und es fällt schwer, sich von dort zu erheben und wieder auf den Weg zu machen.
Weltenburger Enge - Wurzberg

Hügelgräber
Und so geht man ungezählte Schritte, die schon fast nicht mehr in Gegenwart gemacht werden, sondern seinen Ausflug in die Vergangenheit begleiten. Die Gedanken sind frei und genießen die Wanderung durch den herrlichen Buchenwald – bis man plötzlich Erdhügel am Wegesrand sieht. Vermutlich sind es keine Hügelgräber, aber sie sehen sehr danach aus; und sie erinnern einen wieder an die Geschichte dieser Gegend.

Weiter geht es bergab an die Donau hinunter und hier wird der Michelsberg wieder sehr beeindruckend. Langgezogene Hügel, zwischen denen Gräben laufen und Felsen, die wie unbekannte Kraftorte am Hang liegen, weisen den Weg ins Tal. Die Landschaft ändert sich immer mehr und der Wald wird immer lichter.

Druiden- oder Opferstein
Weltenburger Enge - Druidenstein? Kurz bevor man die Donau erreicht, liegt etwas im Wald zurückgesetzt, ein länglicher Stein, der an einen Opfer- oder Drudienstein erinnert. Nur – ist er das wirklich? Vielleicht ist es nur ein verwegender Gedanke, aber kann man wissen, was dort in so geschichtsträchtiger Umgebung passiert ist? Trotzdem ist dieser Stein ein mystischer Platz, zur Ruhe zu kommen.

Peter und Paul-Felsen
Wenn man an der Donau angekommen ist, hat man einen herrlichen Blick auf den Fluss selbst, den Peter und Paul-Felsen und den Hohlstein. Eingekeilt zwischen dem keltischen Michelsberg und den steilen Hängen der Gegenseite geht es langsam auf die Weltenburge Enge zu. Das beruhigende Rauschen der Donau mit ihrem Jahrtausende alten Lauf hat etwas Beruhigendes und lässt einen die bereits zurückgelegte Strecke vergessen.
Weltenburger Enge - Peter und Paul-Felsen

Nach dem Passieren des Hohlsteins rückt der Michelsberg sehr nahe an den Weg und im Schatten der dichten Wälder verbirgt sich so manche Höhle oder Felsüberstand an den Hängen des Berges. Teilweise zerklüftete Felsen ragen empor und wirken geheimnisvoll im Halbschatten des Waldes.

Kurz bevor man jedoch an der ehemaligen Einsiedelei Klösterl eintrifft, befindet sich im Fels eine überaus beeindruckende Höhle über mehrere Etagen. Alte verwitterte Steinstufen führen zu einem verrosteten (hoffentlich geöffneten) Metallgitter. Von dort aus geht es rechts tief in den Fels und links über weitere Stufen auf eine Art Plattform. Von dort aus hat man einen ruhigen Blick auf die umgebenden Wälder und es scheint so, dass würde dieser Ort der Ruhe nur auf eine Statue warten, die sich dort niederlässt. Ein wunderbarer Platz!
Weltenburger Enge - Höhle nahe dem Klösterl

Einsiedelei Klösterl
Diese Einsiedelei, die 1450 gegründet wurde, liegt idyllisch nach der eben beschriebenen Höhle.Sehenswert sind die einzigartige Felsenkirche, die Nikolauskapelle und die Felsenhöhlen, die aber bei meinem Besuch leider geschlossen waren.

Der Donaudurchbruch im April 2013 - Klösterl

Gegenüber dem Klösterl liegt auf der anderen Seite der Donau ein Felsmassiv, auf dessen mittlerer Zinne das Wieser Kreuz steht. Dieses wurde nach dem 1. Weltkrieg errichtet, kurz darauf zerstört und 1922 wieder neu errichtet.

Wendet man dann auch noch den Blick nach links, donauabwärts, dann sieht man über der Donauschleife die Befreiungshalle auf dem Ostende des Michelsberg stehen.

Rückweg
Es gibt mehrere Möglichkeiten, wieder nach Stausacker zurück zu kommen:

  • Man geht den selben Weg wieder zurück.
  • Man geht soweit zurück, bis der Weg scharf rechts auf den Michelsberg führt. Dort ist an der Donau eine Anlegestelle für Zillen (kleine Motorboote), die einem auf dem Wasserweg nach Weltenburg, bzw. die gegenüberliegende Seite zurück bringen.
  • Man geht nach Kelheim und dort über die Befreiungshalle auf dem Wanderweg II zurück nach Stausacker.
  • Man geht nach Kelheim und fährt mit einem großen Schiff zurück nach Weltenburg. Dort muss man dann aber noch mit einer Zille oder der Fähre auf das andere Ufer übersetzen.

Mein Fazit
Die Tour I ist eine wunderbare Wanderung durch die Geschichte der Kelten, Römer, über das frühe Mittelalter bis hin zur Neuzeit. Es ist einfach beeindruckend, wie kraftvoll und geschichtsträchtig die Gegend um den Michelsberg ist und einen in seinen Bann ziehen kann.

Wanderkarte Kelheim (Quelle:Landschaftspflegeverband Kelheim VöF e.V.)




 
Erstellt 12.11.2012 | Letztes Update 16.04.2013 | 3410 Aufrufe