Bauweise von Erdställen

Erdställe wurden in traditioneller Bergbauweise in beinahe jedem geologischen Untergrund geschaffen. Sämtliche Teile eines Erdstalles sind ohne Abmauerung und ohne Stützen erstellt. Die Wände zeigen deutliche Werkzeugspuren, deren Alter nur schwer einschätzbar ist. Für die Fertigstellung eines Erdstalles mittlerer Größe wurde ungefähr ein „Mannjahr“ benötigt. Gearbeitet wurde mit spärlicher Beleuchtung. Der Aufbau der Anlagen wirkt labyrinthisch und irrational. Anlagen, die keiner Sekundarnutzung unterlagen, erwecken den Eindruck als seien sie nach Ihrer Erbauung niemals betreten worden. Erdställe sind stets „fundleer“, sie enthalten weder Totengebeine noch Grabbeigaben. Über die Erbauung und Nutzung der Erdställe ist kein Schrifttum erhalten.

Einstiege
Erdställe werden Ober waagrechte oder leicht abfallende Schlupfgänge oder über senkrechte Schächte betreten.

Schlupfe
Gänge und Kammern sind durch enge Schlupflöcher oder Schlupfröhren miteinander verbunden. Die Schlupflöcher sind horizontal oder vertikal angelegt und gestatten selbst schlanken Menschen oft nur ein Durchkommen mit größter Mühe, sie haben nicht selten einen Durchmesser von weniger als 40 cm. Es gibt runde aber auch eckige Schlupfe. Die vertikalen Schlupflöcher verbinden meist Gangabschnitte, die auf verschiedenem Höhenniveau angeordnet sind.

Gänge
Die Gänge verschlingen sich ineinander, verzweigen sich, steigen hinauf und wieder hinab. Sie sind so niedrig, dass eine Fortbewegung nur gebückt oder auf allen Vieren möglich ist. Äußerst rätselhaft sind Rundgänge, die wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren, so dass sich der Besucher wie in einem Labyrinth gefangen fühlt.

Licht- und Wandnischen
In den meisten Erdställen finden sich Lichtnischen in ganz unterschiedlicher Anordnung. Die wenigsten Lichtnischen zeigen Rußspuren aus älterer Zeit. Die Anordnung ist oft irrational. Lichtnischen werden auch als Tastnischen gedeutet.
Bei Abzweigungen oder vor Schlupfen sind in manchen Erdställen Wandnischen mit stufenartigen Sitzbänken eingearbeitet Nicht immer sind sie groß genug, um einer Person Platz zu bieten.

Statik
Je nach Untergrund schließen steh die Gänge nach oben im spitzen oder runden Bogen. Längere Gangabschnitte sind in (eichten Schlangenlinien angelegt. Die Aushöhlung nach einer „krummen Linie“ entspricht ältesten Bergbauregeln und gewährleistet größte Festigkeit.

Bohrlöcher
Ohne Deutung blieben bislang sogenannte „Bohrlöcher“, die vereinzelt von den Kammern oder Gängen nach oben oder auch in die Seiten gebohrt sind. Die Längen sind unterschiedlich, ihre Durchmesser liegen zwischen 8 und 15 cm. Sie verengen sich und enden meist bevor sie nach außen gelangen. Bohrlöcher sind in den österreichischen Erdställen häufiger zu finden als in Bayern.

Richtungsänderungen
Charakteristisch für die Erdställe Ist, dass die Gänge nie in der gleichen Richtung und auf derselben Ebene verlaufen. Sie biegen im rechten Winkel ab. beschreiben einen Bogen, steigen bald aufwärts, bald abwärts und wechseln mit Stufen und Schlupfstellen ab.

Verschlussvorrichtungen
Ein Rätsel an sich stellen Falze, Balkenlöcher i Vertiefungen dar, die an manchen Gangenden oder Schlupfen angebracht sind. Türen, Riegel. Deckel oder andere Konstruktionsteile fehlen komplett. Vermutlich handelt es sich um symbolische, „gedachte“ Verschlussvorrichtungen. Fast immer sind sie so angelegt, dass die Kammer von außen verschlossen werden kann.

Kammern
Die Kammern bieten etwa* mehr Raumhöhe, in vielen Kammern ist ein aufrechtes Stehen möglich Sogenannte Schlusskammern sind besonders sorgfältig gearbeitet Die Kammern sind manchmal mit sitzbankähnlichen Abstufungen versehen.

Bauhilfsschächte

in bestimmten Gegenden wurde für den ©Ines Erdstalles am Hilfsschacht in den Untergrund getrieben. Über diese „Bauhilfsschächte“ wurde loses Material nach oben transportiert. Nach dem Bau wurde der Schacht zum Gang hin mit einer Trockenmauer verlegt und anschließend verfüllt.

Quellenangabe: Sämtliche Texte aus Ausstellung „Erdställe, Rätselhafte unterirdische Anlagen“, Ausstellung der Kultisurium Ausstellungen und Präsentationen Gbr., im Archäologischen Museum der Stadt Kehlheim




 
Erstellt 15.04.2012 | Letztes Update 04.11.2014 | 1976 Aufrufe