Datierung von Erdställen

Die überwiegende Zahl der Erdställe ist an älteste Besiedlung gebunden. Oft liegen sie bei alten Kirchen oder Friedhöfen, stehen aber in keinem direkten Bezug zu ihnen. Obwohl die Erdställe mit bergmännischer Sicherheit in den Untergrund getrieben wurden, entbehren sie jeder Stilform. Die aufgefundenen Werkzeugspuren lassen sich zeitlich kaum einordnen.

In Bayern gibt es bisher nur eine einzige verlässliche Datierung. Im Zusammenhang mit der Ortsnamensforschung, Siedlungsgeschichte und Verbreitung ergibt sich ein Alter der Erdställe von mindestens 1000 Jahren. Grabungsfunde belegen eine Verfüllung der Einstiege ab dem 12. Jahrhundert. Eine eindeutige Datierung der fundleeren Erdställe bleibt problematisch.

Erdstall Höcherlmühle

Der Erdstall Höcherlmühle (Lkr. Schwandorf, Gde. Teunz) wurde im Jahr 2002 durch ein Loch auf einer Wiese entdeckt. Das Landesamt für Denkmalpflege beauftragte den Arbeitskreis für Erdstallforschung mit einer Grabung. Am Boden des Bauhilfsschachtes wurde Holzkohle gefunden. Mit Hilfe der C14-Methode konnte eine Datierung im Zeitraum zwischen 950 bis 1050 n. Chr. festgestellt werden. Da der Bauhilfsschacht, Ober welchen in der Bauphase Material abtransportiert wurde, nach Beendigung der Arbeiten verfüllt worden ist, muss der Erdstall Höcherlmühle in diesem Zeitraum entstanden sein. Der Einstiegsschacht wurde ebenfalls untersucht. In der Verfüllung kamen vor allem Bruchstücke von Keramik zu Tage. Datierte Holzkohle belegt das Ende des Erdstalles um 1200 n. Chr.

Erdstall Trebersdorf
Der Erdstall Trebersdorf (Lkr. Cham, Gde. Traitsching) wurde im Jahr 1976 von einer Planierraupe bei Rurbereinigungsarbeiten auf einem Acker aufgedeckt. Sehr enge Schlupflöcher mit nur 37 bis 40 cm im Durchmesser, Sauerstoffmangel und eine zeitweise Überflutung erschwerten die Untersuchungen im Erdstall. Bei einer Grabung wurden in der Verfüllung des Einstiegsschachtes Holzkohle, Keramikteile und ein mittelalterlicher Lanzenschuh geborgen. Die C14-Datierung der Holzkohle belegt, dass der Erdstall in der Zeit zwischen 950 und 1050 n. Chr. verschüttet wurde. Die Zeit der Erbauung konnte nicht festgestellt werden.

Erdstall Eidengrub

Der Erdstall Eidengrub (Lkr. Cham, Gde. Michelsneukirchen) wurde 1967 entdeckt, als ein Traktor mit einem Rad in den Untergrund einbrach. Charakterisiert wird der Erdstall durch seine saubere Ausarbeitung und einer ungewöhnlichen, räumlichen Enge. Mit insgesamt 12 Metern Ganglänge stellt der Erdstall Eidengrub im deutschen Sprachraum die kleinste, komplett erhaltene Anlage dar. Die Verfüllmasse des Erdstalles war durchsetzt mit Holzkohle und Tonscherben. Die Altersbestimmung an Hand dar Gefäßränder belegt, dass der Erdstall Ende des 13. Jahrhunderts unbrauchbar gemacht worden ist. Zu welcher Zeit der Erdstall gegraben wurde, konnte nicht festgestellt werden.

Quellenangabe: Sämtliche Texte aus Ausstellung „Erdställe, Rätselhafte unterirdische Anlagen“, Ausstellung der Kultisurium Ausstellungen und Präsentationen Gbr., im Archäologischen Museum der Stadt Kehlheim




 
Erstellt 15.04.2012 | Letztes Update 04.11.2014 | 1698 Aufrufe