Verbreitung von Erdställen

Die Hauptverbreitungsgebiete der Erdställe liegen In Bayern. Österreich und Frankreich. Allein in Bayern sind über 700 Anlagen bekannt Die Erdställe nehmen zunächst an Dichte von Osten nach Westen ab, bevor sie steh in Zentralfrankreich (Limousin) und der Bretagne wieder häufen. Im Norden laufen sie jenseits des Mains allmählich aus. In Bayern und Österreich bildet die Donau eine gewisse Grenze. Die Schwerpunkte der Verbreitung liegen hier Im österreichischen Weinviertel und im Bayerischen und südlichen Oberpfälzer Wald, beides Kerngebiete langjähriger Forschung. Eine derzeitige Intensivierung der Forschung in Oberbayern und In der Steiermark hat eine steigende Anzahl neu entdeckter Erdställe zur Folge. Weitere Verbreitungsgebiete befinden steh In Tschechien (Böhmen und Südmähren), Ungarn, Spanten. Schottland und besonders in Irland.

Versuch einer Unterscheidung der Erdställe in Bayern und Österreich

Typ A – Ober- und Niederbayern:
Langer Hauptgang; Horizontal- und Vertikalschlupfe auch in viereckiger Form; abzweigende Nebengänge mit
Durchschlupf; kein Bauhilfsschacht,

Typ B – Oberpfalz, Bayerischer Wald:
Aneinanderreihung überwiegend vertikaler, runder Durchschlüpfe; bis zu drei Etagen; Endkammer: Bauhilfsschacht mit Trockenmauer.

Typ C – Niederösterreich:
Enge Bauweise. Horizontalschlupf meist viereckig; als sog. «Spindeln“ bezeichnet» Rundgänge am Ende einer Anlage; kein Bauhilfsschacht. (Rundgänge sind auch aus Frankreich und Irland bekannt)

Typ D – Niederösterreich:
Wie Typ C jedoch ohne Rundgang; überwiegend horizontale Ausdehnung

Eine Typisierung der zum Großteil nur fragmentarisch erhaltenen Erdställe ist problematisch. Schon die Bezeichnung Erdstall für eine Stelle unter der Erde stiftet Verwirrung, denn neben den „klassischen“ Erdställen gibt es eine ganze Reihe unterirdischer Anlagen, die nicht zu den Erdställen gezählt werden dürfen. Hierzu gehören Fluchtgänge, Höhlenkirchen und Vorratsgruben aber auch Mithranäen, Hypogäen und Krypten. Dabei bleibt offen, woher die Idee zu den Erdställen kommt. Und ob es eine Verwandtschaft zu anderen unterirdischen Anlagen geben kann. Erschwert wird eine Typisierung zudem durch die Vielzahl der Erdställe und dass im selben Verbreitungsgebiet auch unterirdische Anlagen nebeneinander vorkommen können.

Quellenangabe: Sämtliche Texte aus Ausstellung „Erdställe, Rätselhafte unterirdische Anlagen“, Ausstellung der Kultisurium Ausstellungen und Präsentationen Gbr., im Archäologischen Museum der Stadt Kehlheim




 
Erstellt 15.04.2012 | Letztes Update 04.11.2014 | 2082 Aufrufe