Keltische Viereckschanzen

Viereckschanze oder Keltenschanzen ist die Bezeichnung vorhandener Reste quadratischer oder rechteckiger Anlagen in Süddeutschland, bestehend aus einem Areal mit umlaufendem Wall und Graben. Eine weitere, allerdings alte und falsche Bezeichnung ist „Römerschanze“, weil man im 19 Jhd. davon ausging, dass es sich bei den Viereckschanzen um römische Kleinkastelle handelt, was sich aber nach archäologischer Forschung als falsch erwiesen hat. Trotzdem ist dieser Name in alten Aufzeichnungen und Ortsnamen noch zu finden.

Deutung
Die Deutung der Viereck- oder Keltenschanzen ist noch nicht abschließend geklärt. Letzte Untersuchungen haben gezeigt, dass manche der Viereckschanzen dauerhaft bewohnte keltische Gutshöfe, Herrenhöfe oder Mittelpunkte einer ländlichen Siedlung waren. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass die Kelten die Viereckschanzen auch als Kultanlagen verwendeten. Da die Kelten keine schriftlichen Aufzeichnungen über ihr Leben machten, lassen sich keine allgemeingültige Aussagen über ihren Zweck treffen.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der keltischen Viereckschanzen erstreckt in einem Band von der französischen Atlantikküste, Nordfrankreich, über Süddeutschland bis hin nach Böhmen, aber auch in Österreich und der Schweiz gibt es Viereckschanzen. In Süddeutschland sind bis heute mehr als 300 Anlagen bekannt, darunter alleine ca. 200 in Bayern. Es gibt allerdings auch Stimmen, die davon sprechen, dass es 40.000 Schanzen gegeben haben könnte. Diese wären dann aber im Laufe der über 2.000 Jahre durch Kultivierung, Verwitterung, Erosion, Überbau oder bewusster Zerstörung verschwunden.

Entstehung
Das Entstehen von keltischen Viereckschanzen wird auf die späte Laténezeit ab dem 2. Jhd. vor Christus datiert, wobei sich hier die einzelnen Viereckschanzen teilweise vom Alter her deutlich unterscheiden.

Lage
Viereckschanzen befinden sich fast nie in besonders exponierten Lagen, sondern häufig im Flachland und auf leichten Hängen. Wenn sie heute in Wäldern liegen, darf davon ausgegangen werden, dass es zu damaliger Zeit nicht so war, sprich die Umgebung unbewaldet war. Fast die Hälfte aller Anlagen in Süddeutschland liegt in der Nähe eines Flusses, eines Baches oder einer Quelle. Oft findet man in der Nähe der Viereckschanzen Hügelgräber aus der Laténezeit und manchmal befindet sich in der unmittelbaren Nähe eine zweite Schanze, sehr selten sind es auch Doppelschanzen (z.B. in Bergheim). Eine hohe Dichte mit 16 keltischen Viereckschanzen gibt es im Süden von München.

Aussehen und Aufbau
Viereckschanzen haben in der Regel einen rechteckigen oder quadratischen Grundriss mit einer Kantenlänge von ca. 80 bis 130 Metern. Die Grundflächen sind dabei nicht streng quadratisch, sondern können auch rhombisch (z.B. Deisenhofen/ Laufzorner Holz) sein.
Sehr oft befinden sich an der Außenseite der Wälle Gräben, die allerdings wegen der Verwitterung nicht mehr immer sehr deutlich zu erkennen sind. Die Innenseiten der Viereckschanze variieren. Mal hat der Innenraum annähernd dasselbe Höhenniveau der Wälle, aber es kann auch sein, dass sich dort auch Gräben wie an den Außenseiten befinden.
Viereckschanzen haben einen Zugang, der nie im Norden lag. 68% der Zugänge lagen im Osten und jeweils 16% einen Zugang im Westen oder Süden. Die Ausdehnung der untersuchten bayerischen Viereckschanzen erstreckt sich von 1.500 qm bis 25.000 qm. (Quelle: Atlas der spätkeltischen Viereckschanzen Bayerns, Klaus Schwarz, 1959)

Links
Wikipedia „Viereckschanzen“
Wikipedia „Viereckschanzen in Bayern“




 
Erstellt 13.04.2011 | Letztes Update 24.01.2014 | 6646 Aufrufe