Die Druiden

[Entnommen aus “Die Wanderungen der Kelten”, (L. Contzen, 1861)]
Die Druiden waren keine erbliche, wohl aber fest geschlossene Priesterkaste, frei von allen öffentlichen Abgaben, vom Kriegesdienste, wie von jeder Staatslast. Daher drängte man sich begierig nach der Ehre der Aufnahme, selbst Jünglinge aus den ersten Geschlechtern des Landes rechneten es sich zur Ehre an, dem mächtigen Verbande anzugehören. Sie lehrten in Waldeshöhlen oder schattigen Eichenhainen, die schon von selbst zu überirdischer Betrachtung und mystischem Grübeln einluden, das jugendliche Gemüth zur gläubigen Andacht stimmten und ihm das vorgetragene Geheimniss heiliger machten.

Wer sich zur Aufnahme meldete, legte, bevor er zum Unterrichte zugelassen wurde, feierlich das Versprechen ab, keine Lehre durch Mittheilung an das Volk zu entheiligen; die Lernzeit selbst währte lange, oft vergingen 20 Jahre, ehe der Novize stufenweise zu höherer Erkenntniss voranschreitend und der höheren Grade der Geheimnisse für würdig gehalten, als Wissender entlassen wurde. Darum umfasste der Unterricht auch alle Zweige des Wissens jener Zeit, Arzneikunde, Theologie, Philosophie, Politik, Astronomie usw.

Wie das frühe Alterthum überhaupt kleideten auch sie ihre Lehren mit Vorliebe in das Gewand der Poesie und in dieser Gestalt musste sie der Novize nebst andern Formeln seinem Gedächtniss einprägen. Alles aber wurde in kurzen Sätzen und in dunkler nur dem Eingeweihten verständlicher Sprache vorgetragen. Etwas schriftlich zu verzeichnen, war nicht gestattet; einerseits war der Gebrauch der Schrift bei den Galliern neu und nicht gewöhnlich, die Sitte aber, unter Leitung des Lehrers jene heiligen Verse dem Gedächtniss anzuvertrauen ehrwürdig, weil uralt und daher gegen jede Neuerung gesichert, anderseits wurde auf diese Weise jeder Entweihung vorgebeugt.

An der Spitze des Ordens stand ein Oberpriester, von sehr hohem Ansehen und im Besitze grosser Macht, auf Lebenszeit gewählt. Nach seinem Hinscheiden folgte ihm der Angesehenste; bewarben sich Mehrere um die Würde, so entschied Stimmenmehrheit oder ein gottesgerichtlicher Zweikampf. Ein eheloses Leben zu führen war der Druide nicht verpflichtet, sondern Heirath war gestattet, allein der Orden hielt sich still und abgeschlossen, entzog sich, wohlbekannt mit der eifersüchtigen Persönlichkeit der Nation, die er beherrschte, der unmittelbaren Theilnahme an Welthändeln und liebte es, mit dem möglichsten Geheimthun über ihr Wissen und Wirken, die Abgeschiedenheit und Einsamkeit aufzusuchen, in der er die Fäden der Herrschaft in der Hand trug, ohne solche blicken zu lassen. Daher standen sie im Rufe der strengsten Sittlichkeit und Gerechtigkeit.




 
Erstellt 23.07.2013 | Letztes Update 23.07.2013 | 872 Aufrufe