Kulte der Druiden

[Entnommen aus “Die Wanderungen der Kelten”, (L. Contzen, 1861)]
Wenige Nachrichten sind uns ebenso zugekommen übet die Art der Gottesverehrung; Tempel werden erst spät genannt, Caesar fand nur geheiligte Stätten“ (loca consecrata); namentlich waren Eichenhaine Gegenstand besonderer Verehrung und dem Gottesdienste geweiht. Einen solchen schildert uns in schönen Zügen folgendermassen Lucant:

Siehe da stand ein Wald, seit unvordenklichen Zeiten
Nie vom Beile verletzt; mit dicht verschlungenen Aesten
Wehrt er in schattiger Kühle dem Strahl der Sonne, behütend
Heilige Nacht; nicht Pane, des Feldbaus PfIeger, beherrschten
Nicht die mächtigen Sylveh den Hain, noch gütige Nymphen,
Nein ein barbarischer Cult mit grausam dampfendem Altar.
Jeglicher Baum trof menschliches Blut unheimlichen Göttern.
Ja wenn Glauben verdient der Wunderglaube der Vorzeit,
Mieden die Vögel sogar auf seinem Gezweige zu sitzen,
Mied es das Wild zu lagern im Hain, nie wagte der Wind sich
Rüttelnd an ihn, nie zuckte ein Blitz aus schwarzem Gewölke
Nieder zu ihm, nie regt in den Blättern sich säuselnd ein Lufthauch,
Sondern es zittert das Laub in eigner Bewegung erschauernd,
Während aus schwärzlichen Quellen und trüb das Wasser dahinrinnt.
Traurig starren geformt aus ungehauenen Stämmen
Ohne Kunst und Gestalt die Bilder der finsteren Götter.
Schauder erregt die Verlassenheit, der vermorschenden Klötze
Bleichere Färbung und grössere Furcht verbreitet der Gottheit
Ungewohnte Gestalt, denn fremde Götter erzeugen
Durch das Geheimniss heilige Scheu; auch meldet die Sage,
Von Erdbeben durchhöhlt aufstöhne die Wölbung des Bodens,
Aber vom Falle erhöben sich neu die Taxus; im Feuer
Ohne zu brennen stehe der Hain, es ringelten Drachen
Sich um die Stämme und flögen umher, die Leute vermieden
Hier in der Nähe den Boden zu bau’n, den Ort des Entsetzens
Ueberlassend der göttlichen Macht; ob Phöbus im Laufe
Schreite zur Mittagshöh‘, ob finster über dem Himmel
Brüte die Nacht, es scheue sogar der Priester des Ortes
Nähe, besorgend er möge dem Herrn des Waldes begegnen.

Wie bei allen Völkern bildete auch bei den Druiden den Mittelpunkt ihres Cultus das Opfer und zwar das blutige Menschenopfer war das beliebteste, das Leben im düstern Schatten der Wälder liess das Gefühl der Schuld um so tiefer erwachen; anderseits glaubte man der Gottheit das Edelste zu bringen, was sie geschaffen. Kriegsgefangene und Verbrecher traf meist das Loos, unter dem Messer des Druiden zu verbluten, auch wohl Unschuldige in Ermangelung schwerer Missethäter. Bei einigen Stämmen bildete man ungeheure Götterbilder aus Weidengeflechten, füllte deren Glieder mit lebenden Menschen an und weihete die Unglücklichen dem Flammentode, indem man das Ganze von unten nach oben anzündete, Ausgehend von dem Glauben, dass für ein Menschenleben wieder ein Menschenleben fallen müsse, pflegte der vornehme Kelte desshalb, wenn er an schwerer Krankheit darniederlag oder zur Schlacht auszog, ein Menschenopfer zu geloben, dessen Verrichtung dann dem Druiden oblag. Mit Eichenlaub bekränzt, in weissem Gewande trat dieser heran und stiess seinem Opfer das Messer in den Rücken, bei den nöthigen Wendungen während des Gottesdienstes sich· von Morgen nach Abend drehend, dem Lauf der Sonne zugewandt.

Um den Segen des Himmels zu erflehen, hielten die Druiden feierliche Umzüge, wobei Götterbilder in weisse Tücher gehüllt umhergetragen wurden; um den Glauben der Menge an Vorhersagung künftiger Ereignisse zu steigern, wussten sie den Bildnissen geschickt künstliche Bewegungen zu verleihen, als wollte die dargestellte Gottheit dadurch eine Vorbedeutung geben. Schon aus dem Gesagten erhellt, welchen überwiegenden Einfluss die Druiden über die politischen Verhältnisse ihres Vaterlandes gewinnen mussten. An den Druiden, den besondern Freunden und Vertrauten der Götter, wandte sich der abergläubische Kelte, um bei jeder wichtigen Handlung den Willen der Himmlischen zu erfragen, ihren Zorn zu sühnen und ihren Segen zu erflehen; ihn suchte er auf, wenn er rath- und thatlos dastand und folgte willig und gehorsam seinem Ausspruch. Fast über alle Streitigkeiten in Sachen des Staats und des Einzelnen entschied des Druiden Wort, er richtete den Verbrecher, schlichtete Grenzstreitigkeiten und Erbschaftsprocesse und überliess in vielen Fällen den Staatsbeamten das Executionsrecht. In gleicher Weise erkannte er verdienten Bürgern Belohnungen zu und verhängte Strafe über den Frevler. Fügte sich der Verurtheilte dem Spruche nicht, so traf ihn die allerschwerste bürgerliche Strafe, der Bannstrahl, der ihn im staatlichen Verbande in völlige Bedeutungslosigkeit herabdrückte; ausgeschlossen von der Gemeinschaft der Opfer sah er sich von Jedermann gemieden; Jeder fürchtete mit ihm verkehrend von der Gottheit bestraft zu werden, wich ihm aus dem Wege und liess seinen Gruss unerwidert; keine Ehrenstelle im Staate war ihm zugänglich, kein Gesetz schützte ihn.

Jährlich zu festgesetzter Zeit hielten die Druiden einen grossen Gerichtstag im Lande der Carnuten, das für den Mittelpunkt der keltischen Erde galt. Hier wurden vor ihrem Forum alle wichtigeren Rechtshändel und zwar in letzter Instanz zum Austrag gebracht und jede Partei hatte sich ihrem Spruche zu. fügen. Zur Zeit ihrer Macht leiteten sie die Politik der einzelnen Staaten und gaben oft ihnen das Oberhaupt; so besetzten sie im Lande der Haeduer die Stelle des Vergobreten oder Rechtwirkers. Selbst in der Hitze des Streites galt ihr Wort, ehrfurchtsvoll sanken die Waffen, wenn sie zwischen die Schlachtreihen traten und die fehdelustigen Stämme zu friedlichem Vergleiche bestimmten. Kurz, so lange keltisches Leben und keltische Sitte sich kräftig erhielt, waren die Druiden die Lenker und Regierer des Volkes und der Kern und der Schwerpunkt der Nationalität.




 
Erstellt 23.07.2013 | Letztes Update 23.07.2013 | 1201 Aufrufe