Losnächte

Autor: Sepp Probst |

Die „Zwölf Nächte“ vom Christtag bis zum Dreikönigstag sind auch als Losnächte bekannt, sie sollen gefährlicher als die anderen Raunächte sein, da hier der Teufel nach dem Aveläuten umgeht. Als Losnächte unter dem Jahr sind Fronleichnam, der Kranzltag und Allerseelen bekannt.In diesen Nächten soll man mit bestimmten Ritualen in die Zukunft sehen können. In den Rau- oder Losnächten soll das wilde Heer oder das Nachtgloit durch die Luft sausen, wer sich nicht in Acht nimmt, wird von ihm mitgeschleift, wenn man vor dem Fenster dem Sturm zuhört, kann man Schlachtgeschreie und das Brüllen, Bellen und Wiehern von Tieren hören.

Wenn man in den Zwölf Los- oder Raunächten was träumt, so erfüllt sich dieses im darauf kommenden Jahr. Die erste Raunacht gilt für den Januar, die zweite für den Februar und so weiter. Wenn man den Traum vor Mitternacht hat, erfüllt der sich in der erste Hälfte des Monats, wenn man ihn nach Mitternacht hat, erfüllt er sich in der zweiten Hälfte des Monats.

Schneidet ein lediges Mädchen in der Christnacht eine Zwiebel in zwei Teile und streut Salz auf eine Hälfte der Zwiebel, so kann sie am nächsten Tag die Gesichtszüge ihres Zukünftigen erkennen.

Am Thomastag schneidet man Zwiebeln in der Mitte durch, damit man zwölf Halbschalen bekommt, diese Zwiebelschalen legt man auf ein trockenes Brett, an einen trockenen Ort, zum Beispiel auf ein Fensterbrett oder in einen Unterstand. Dann beschriftet man von links nach rechts vor den Zwiebelschalen das Brett von Januar bis Dezember, nun streut man Salz in jede Zwiebelhälfte, wenn nun die Zwiebelschale am nächsten Morgen feucht ist, wird es ein feuchter regnerischer Monat, wenn die Zwiebelschale trocken bleibt, wird es ein trockener sonniger Monat. Regional wird dieses Orakel auch am Weihnachtstag gemacht.

Genau so gilt das Wetter an den Raunachtstagen als Wetterorakel, so gilt das Wetter am

26.12. für den Januar
27.12. für den Februar
28.12 für den März
29.12 für den April
30.12. für den Mai
31.12. für den Juni
01.01. für den Juli
02.01. für den August
03.01. für den September
04.01. für den Oktober
05.01. für den November
06.01 für den Dezember

Wenn es am Tag schön ist, soll auch der Monat schön werden, regnet oder schneit es, soll auch der Monat verregnet werden. Ist es warm wird auch der dementsprechende Monat warm… Wenn es zum Beispiel am Vormittag windig ist, wird es Anfang des Monats windig sein oder ein Sturm kommen, regnet es am Vormittag und ist es am Nachmittag schön, wird die erste Hälfte des dazugehörenden Monats regnerisch und die zweite sonnig…….

In der Heiligen Nacht sollen angeblich die Tiere im Stall um Mitternacht die menschliche Sprache sprechen, die sagen dem Bauer, was ihnen nicht gepasst hat im vergangenen Jahr.Sie sollen sogar den Menschen voraussagen können, wer als nächster im Haus stirbt. Da hier die Tiere aber meistens den Namen nennen, von dem der sie gefragt hat, fragt keiner danach.

Wenn man in den drei Raunächten, Christnacht, Neujahrsnacht und der Dreikönigsnacht Wäsche zum Trocken über die Nacht im oder am Haus hängen hat, zieht man das Unheil auf das Haus und es stirbt jemand in der Familie. An diese Sage glauben die meisten Bewohner des Bayerischen Waldes noch, so dass an diesen Tagen keine Wäsche über Nacht hängen bleibt.

Wenn man am Dreikönigstag eine Wünschelrute schneidet, geht diese niemals irr.

Die Dreikönigsnacht gilt als größte und gefährlichste Raunacht, hier ist es besser das Haus nicht zu verlassen. Im Bayerischen Wald wird in dieser Nacht, im ganzen Haus mit Weihrauch geräuchert und jedes Zimmer mit Weihwasser bespritzt, das bei der Dreikönigsweihe gesegnet wurde. Ein Schneeball bespritzt mit Weihwasser wird über das Haus, den Stall und alle Gebäude geworfen. So versucht man sich vor dem Bösen in dieser Nacht und im darauf folgenden Jahr zu schützen.

Die Bauern geben den Tieren im Stall in den Raunächten geweihtes Brot zu essen, um sie vor Krankheiten im kommenden Jahr zu schützen.

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Dieser Beitrag über die Losnächte wurde freundlicherweise von Sepp Probst zur Verfügung gestellt. Er schreibt aktiv über das Brauchtum im Bayerischen Wald auf der Facebook-Seite „Mystischer Bayerischer Wald“ und ist Autor der drei Heimatbücher „Zwischen Lusen und Osser„, „Zwischen Geißkopf und Arber“ sowie „Zwischen Rachel und Kaitersberg: Brauchtum, Sagen, Kinderspiele und Rezepte“ (Links jeweils zu Amazon).

 




 
Erstellt 23.12.2013 | Letztes Update 13.01.2014 | 3382 Aufrufe