Station 05 – Schmelzöfen und keltische Schmiede in Altessing

Schmelzöfen und keltische Schmiede in Altessing Eisenverhüttung zur Zeit der Kelten. Zwischen Essing und Kelheim wurde 1980 eine etwa 20.000 m² große Fläche ausgegraben, die zahlreiche Verfärbungen erbrachte, aus denen Funde von der ausgehenden Altsteinzeit bis zur Zeit der späten Kelten im 1. Jh. v. Chr. dokumentiert werden konnten.

Die Grabungen erbrachten auch Belege für Eisenverhüttung: eine 2,5 m lange und maximal 1,9 m breite langovale Verfärbung mit einer 10 cm dicken verziegelten Lehmschicht und einer leichten Einschnürung. Es handelt sich um die Reste eines Rennfeuerofens. Der Ofenmantel hatte sich noch 30 cm hoch erhalten. Im Inneren des Ofens fanden sich Schlackebrocken und Teile der Ofenkuppel. Vor dem Ofen befand sich eine Arbeitsgrube, die 22,5 kg Schlacke und mehr als 15 kg Ofenwandungsteile enthielt.

Die Kelten verhütteten im 1. Jh. v. Chr. in solchen Rennfeueröfen Raseneisen- und Bohnerz oder meteoritisches Eisen, das vermutlich von den Schürfgrubenfeldern auf dem Michelsberg oberhalb von Kelheim stammt.

Rekonstruktion von Öfen aus der Keltenzeit im Archäologiepark Altmühltal
Schmelzöfen und keltische Schmiede in Altessing Im Rahmen des Archäologieparks Altmühltal wurden in Altessing bereits mehrere Öfen rekonstruiert. Diese Öfen waren Nachbauten für archäologische Experimente. In ihnen wurde Raseneisenerz in prähistorischer Machart geschmolzen. Ein weiterer Ofen ist witterungsbeständig nachgebaut. Er ist nicht funktionstüchtig, zeigt aber, wie solche Öfen das Bild der Landschaft geprägt haben und welche Bedeutung die Eisenverarbeitung schon in der frühesten Geschichte unserer Vorfahren hatte. Die an dem Platz nachempfundene Schmiede basiert nicht auf archäologischen Befunden. Sie dient einem Schmied lediglich dazu, bei Vorführungen Einblick in vorgeschichtliche Schmiedepraxis zu geben.

Vorgehen bei der Eisenverhüttung
Um Eisen zu verhütten, müssen Rennfeueröfen abwechselnd mit Holzkohle und Eisenerz beschickt werden. Erst bei einer Brenntemperatur von über 1.200° C beginnt das Erz zu schmelzen. Um diese Temperatur zu erreichen, muss man mit Blasebälgen für eine ausreichende Sauerstoffzufuhr sorgen. Nach dem Schmelzvorgang sammelt sich am Boden des Ofens das bei hoher Temperatur ausgeschmolzene Roheisen. Dieses Roheisen wird Eisenluppe oder Ofensau genannt. Um an diese Luppe zu gelangen, muss zunächst die zähflüssige Schlacke abgestochen, d.h. aus dem Ofen herausgeholt werden. Nach dem Schlackeabstich bricht man den ausgekühlten Ofen im unteren Bereich auf. Die oft löchrige, schwammartige Luppe wird nochmals im Feuer erhitzt und mit hammerartigen Schlägen verdichtet, damit aus dem Roheisen das widerstandsfähige Metall in Barrenform entsteht. Dieser Vorgang muss so oft wiederholt werden, bis das Eisen die gewünschte Qualität erreicht hat. Die Öfen waren nach einem solchen Schmelzvorgang meist unbrauchbar und wurden eingerissen. Oftmals legte man in direkter Nachbarschaft weitere Öfen an.

Keltische Schmiede und Schmelzofen Altessing vor der Schellnecker Wand

Meine Bilder

Lage des Schmelzofens und der keltischen Schmiede im Archäologiepark Altmühltal
Lage: In Altessing auf der Halbinsel zwischen altem und neuem Kanal am südöstlichen Ortsrand (Beschilderung ab Staatsstraße)
Koordinaten: 48° 55’ 31’’ Nord; 11° 48’ 10’’ Ost
TK 7036 Riedenburg: r 4485 870; h 5420 855




 
Erstellt 03.02.2012 | Letztes Update 13.06.2012 | 1921 Aufrufe