Die Ehrenbürg – Walberla und Rodenstein

Wehranlage auf dem Walberla  Die Ehrenbürg

Die Befestigungsanlagen auf der Ehrenbürg gehören zu den aufwändigsten ihrer Art in Bayern. Von allen drei bedeutenden Perioden der späten Bronzezeit (13. – 9. Jh. v.Chr.) und der frühkeltischen Periode (5. Jh. v.Chr.) sind jetzt nur noch die Mauer- und Tor-Ruinen des 5. Jhd. v. Chr. als Wälle im Gelände sichtbar.

Der südlich gelegene Rodenstein ist zusätzlich befestigt und mit einem Tor ausgestattet das nach Norden, zum Sattel der Ehrenbürg, gerichtet ist. Das nördlich gelegene Walberla ist durch eine kräftige von West nach Ost verlaufende Geländeschwelle gegliedert. Die südliche Hälfte des Walberla geht nach einer stärkeren Böschung in den Sattel der Ehrenbürg über. Auf diese Geländeschwelle setzte man eine Mauer, die sich heute noch als ein hoher Wall verfolgen lässt.

Der stark nach außen geböschte nördliche Abschnitt des Walberla, der ebenfalls umwehrt ist, hatte die Funktion einer Vorburg. Ob eine Lücke in dem großen Wall auf der Geländeschwelle als Pforte angesprochen werden kann, lässt sich jedoch nicht klar erkennen.

Die beiden Randwälle im Sattelbereich weisen je ein Tor auf. Besonders ausgeprägt ist das typisch frühkeltische Haupttor der Befestigungsanlage in der Mitte der Westflanke, dessen zwei Wangen zangenartig in den Innenraum ziehen. Das Tor auf der Ostflanke ist weniger gut ausgeprägt. Vielleicht handelt es sich nur um eine Pforte zu den Quellen im Hangbereich.

Einige Funde aus jungsteinzeitlichen Perioden (5500 – 2500 v.Chr.) weisen auf erste Besiedlungsversuche des Hochplateaus hin. Mit einer Reihe erstklassiger Fundstücke wird der Beginn einer dauerhaften Besiedlung in der mittleren Bronzezeit um 1400 v.Chr. angezeigt. Ihren ersten Höhepunkt erfährt diese Siedlung um 1300 v.Chr., als man sie mit einer mächtigen holzgestützten Trockensteinmauer befestigte. Die Mauer brannte im Zuge eines Schadensfalls ab. Wie groß der Umgriff dieses Feuers war und ob es die gesamte Befestigung ergriff, wissen wir nicht. Die Besiedlung der Ehrenbürg riss hingegen bis 800 v.Chr. nicht mehr ab. Einen zweiten Höhepunkt erfuhr die endbronzezeitliche Siedlung im 9. Jh. v.Chr., in dem man diese abermals mit einer Trockenmauer befestigte, die durch senkrechte Pfosten gehalten wurde. Auch diese Mauer brannte durch ein Schadensfeuer ab und wurde nicht wieder aufgebaut.

Die große Menge qualitätsvoller Fundstücke zeigt, dass sich die Ehrenbürg in diesen 600 Jahren ihrer Geschichte zu einer der bedeutendsten befestigten Zentren Bayerns entwickelt hatte. Diese Entwicklung hat sie einerseits ihrer Gestalt als leicht zu verteidigender Inselberg, andererseits der Gunst ihrer Lage nahe der Regnitz, einer der wichtigsten mitteleuropäischen Wasserverkehrswege zu verdanken. Etwa um 800 v.Chr. brach die Besiedlung ab. Das hängt wohl damit zusammen, dass sich zu Beginn der Eisenzeit die sozialen Verhältnisse wandeln, weil der von bronzezeitlichen Häuptlingen kontrollierte Kupfer- und Zinnhandel entfällt. Dagegen war Eisen überall auf dem Jura erhältlich.

Nach einer nahezu dreihundertjährigen Unterbrechung beginnt um 520 v.Chr. eine Neubesiedlung, die durch zahlreiche Fundstücke belegt ist. Die Befestigung auf dem Rodenstein hatte man in dieser Periode erstmals zu einer Art Akropolis ausgebaut von der aus der frühkeltische Adel seine Stadt beherrschte. Im folgenden 5. Jhd. v. Chr. wurde die ganze Ehrenbürg mit einer mächtigen Trockensteinmauer umwehrt, die beiden typischen Zangentore eingebaut und die Abschnittsbefestigung auf dem Walberla errichtet. Die Länge des gesamten Befestigungssystems betrug 3.500 m.

Eine geomagnetische Prospektion des Sattelbereichs zeigte, dass dieser von unzähligen Kellergruben durchlöchert ist. Das bestätigten Ausgrabungen bei denen eine große Anzahl nachgewiesen werden konnten. Die Gruben enthielten vorzügliche Keramik, Eisengeräte, Bronzefibeln und Schmuckstücke. Die dichte Bebauung, in Verbindung mit der starken Befestigung weist auf eine keltische, frühstädtische Siedlung hin. Sie unterscheidet sich eindrucksvoll von den vielen kleinen, gleichzeitigen Burgen, wie dem Schlossberg bei Burggaillenreuth oder dem Heidelberg bei Schweinthal. Durch das Bruchstück eines griechischen Glasgefäßes, Henkelbruchstücke slowenischer Bronzegefäße und die tönerne Nachbildung einer etruskischen Kanne hebt sich die Ehrenbürg deutlich von anderen Anlagen ab. Sie kann mit frühurbanen Siedlungen, wie dem Glauberg in Hessen oder dem Dürrnberg bei Hallein verglichen werden, zu denen sie über die Achse Donau – Altmühl – Regnitz – Main Kontakt unterhielt.

Anfang des 4. Jh. v.Chr. wird die Anlage weitgehend geräumt, was mit den historisch überlieferten Keltenwanderungen zusammenhängen dürfte. Wenige spät keltische und spätgermanische Funde zeigen, dass der Berg auch in späterer Zeit aufgesucht wurde, ohne jemals seine ursprüngliche herausragende Rolle wieder zu erlangen.

Um den Aufbau der Befestigungen kennen zu lernen, wurde 2005 eine Ausgrabung durchgeführt. Diese erbrachte ganz erstaunliche Ergebnisse: Anfang des 13. Jh. v. Chr. hatte man eine 3,6 m breite, etwa 3 m hohe Steinmauer mit einer komplizierten Holzkonstruktion aus sorgfältig gezimmerten Balken errichtet, die einem Schadensfeuer zum Opfer gefallen ist. Ob es sich um eine natürliche Brandkatastrophe oder um ein kriegerisches Ereignis gehandelt hat lässt sich archäologisch nicht mehr ermitteln. Diese Mauer zog sich entlang der beiden Hangkanten des Sattelbereichs und integrierte großenteils die anstehende Felsrippe, von der man Steinmaterial abtrug, um es zum Bau der Mauer zu verwenden. Die Mauer und alle folgenden Mauern trugen eine hölzerne Brustwehr, um die Verteidiger vor Beschuss zu schützen.

 Im 9. Jh. v. Chr. errichtete man über der älteren Mauerruine eine neue 3 m breite und 3 m hohe Mauer. Hierbei handelt es sich um eine so genannte Pfostenschlitzmauer, das heißt eine Trockensteinmauer, die durch senkrechte Pfosten auf ihrer Innen- und Außenseite gestützt wurde, und die man mit schräg verlaufenden Ankern verbunden hatte. Auch diese Mauer erlitt durch ein Schadensfeuer ein ähnliches Schicksal wie ihre Vorgängerin.

Schließlich überbaute man die Ruinen der älteren Mauern zu Anfang des 5. Jh. v. Chr. mit der mächtigen, 6,6 m breiten und 3 m hohen Stadtmauer, die das ganze Hochplateau der Ehrenbürg umschloss. Rechnet man den Mauerabschnitt auf dem Walberla einerseits und die Befestigung auf dem Rodenstein andererseits hinzu, so erreichte die Mauer eine Gesamtlänge von ca. 3.500 m. Bei einer Breite von durchschnittlich 5 m und 3 m Höhe ergibt das ein verbautes Gesamtvolumen von mehr als 50.000 m³ Steinen.

Im Fichtig bei Kirchehrenbach liegt ein großes Grabhügelfeld bei dem es sich wohl um den Friedhof der Ehrenbürg handelt.




 
Erstellt 16.06.2012 | Letztes Update 30.08.2012 | 20580 Aufrufe