Speckberg bei Nassenfels

Der Speckberg ist ein Juraplateau, das sich spornartig in das Schuttertal schiebt. Von der Natur begünstigt, war der Speckberg wie geschaffen für die Jagd und die Einrichtung eines Basislagers der eiszeitlichen Jäger. Günstige Sonneneinstrahlung, trockener Untergrund, gute Aussicht für die Jagd auf Großwildherden, die Nähe des Wassers, der Schutter, und nahegelegene Rohmaterialvorkommen, Hornstein lockten seit mindestens 100.000 Jahren den Menschen an.

Beim Begehen des Speckbergs war das Wetter so, wie ich es mir für damals vorstellen würde: ein steter Wind, Kälte und ein eher trostloser Himmel. So haben hier die Menschen damals auf diesem strategisch gut gelegenen Berg, überleben müssen. Aber ich hatte das Gefühl, nicht alleine zu sein. Irgendwie war hier ein besonderes Gefühl der Verbundenheit mit der Natur und den dort lebenden Menschen.

Anfahrt
In Nassenfels fährt man in Richtung Neuburg/ Donau. Nach dem Ortsende folgt man der scharfen Linkskurve und fährt auf die Speckmühle zu. Man fährt die erste Straße hinein, folgt ihr und hält sich dann rechts. Am Ende der Straße parkt man und läuft bergauf auf das offene Feld zu. Der Speckberg liegt links des Feldweges.

Genauer Standort
Google: 48.799288,11.207843 (Anleitung)
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Erd- und Landschaftsgeschichte
Südlich des Schuttertal schließt ein sanfter Höhen-Lücken aus überwiegend tertiären Sanden an, nördlich dagegen steigt der Jura, die sogenannte südliche Frankenalb, auf Höhen über 500 m ü. NN an. Wer die Landschaft aufmerksam durchwandert, kann dabei zahlreiche Aufschlüsse finden, die Auskunft über die sehr interessanten geologischen Eigenheiten geben.
Die Grundlagen sind Gesteine des oberen Weißen Jura, der nur an wenigen Stellen, Beispielsweise am Speckberg, offen zu Tage tritt. In zahlreichen Steinbrüchen, in denen teilweise sehr qualitativer Kalkstein gewonnen wurde, sind die typischen Fossilien des Jura zu finden. Es sind meist große Muscheln (Pecten), aber auch Seesterne, Seeigel, Armfüßler und Korallen. Ein besonderes Phänomen um Nassenfels sind verkieselte Kalke in Plattenform (Plattensilex) oder Kugelform (Hornsteinknollen), das Rohmaterial für Steinwerkzeuge.
Landschaftsprägend hat die Kreidezeit ihre Spuren in der Nassenfelser Flur hinterlassen. Es finden sich Sandablagerungen und widerstandsfähige Quarzitfelsgruppen, von denen die Eindrucksvollste der „Hohe Stein“, etwa 4 km nördlich des Speckberges, ist. Hier hat sich die zu hartem Quarzit verfestigte Füllung einer Karsthöhle besonders eindrucksvoll erhalten. Auch der Kreidequarzit spielte eine wichtige Rolle als Rohmaterial für den frühen Menschen. Die ältesten Faustkeile Bayerns wurden aus diesem Material hergestellt. Von besonderer Bedeutung war der Kretdequarzit für die Herstellung von Handmühlen, Ein Depot bronzezeitlicher Mahlsteine fand sich im Nassenfelser Gewerbegebiet.
Aus der jüngeren Erdgeschichte haben sich vor allem Ablagerungen aus dem Tertiär und zwar aus der 20 bis 5 Millionen Jahre alten Epoche des Miozäns erhalten. Gelegentlich können bei Baumaßnahmen sogar Knochen, tertiärer Säugetiere, Schildkröten oder Alligatoren geborgen werden, welche sich in Tonlagen oder kohleartigen Schichten erhalten haben.

Der Speckberg liegt in der Gemarkung Zell und ist ein Juraplateau, das sich spornartig in das Schuttertal schiebt. Der Fund eines Faustkeils und anderer steinzeitlicher Geräte ließ zu Anfang der sechziger Jahre den Nassenfelser Schulleiter Oswald Böhme den Speckberg als altsteinzeitliche Jagdstation erkennen. Von der Natur begünstigt, war der Speckberg wie geschaffen für die Jagd und die Einrichtung eines Basislagers der eiszeitlichen Jäger. Günstige Sonneneinstrahlung, trockener Untergrund, gute Aussicht für die Jagd auf Großwildherden, die Nähe des Wassers (Schutter) und nahegelegene Rohmaterialvorkommen (Hornstein) lockten seit mindestens 100.000 Jahren den Menschen an. Der Hornstein stellt das ideale Ausgangsmaterial zur Herstellung von Stein Werkzeugen dar und war deshalb sehr begehrt.
Bei den Grabungen in den Jahren 1964 bis 1968 wurde eine Vielzahl von Waffen, Stein Werkzeuge und eine Unmenge von Absplissen geborgen, insgesamt über 300 000 Steinartefakte. Hergestellt wurden diese Geräte meist aus Silex (Hornstein), aber auch aus Quarzit sowie Donaugeröllen und verkieselten tertiären Kalken. Sie stammen aber nicht nur vom Neandertaler, der über 60 000 Jahre immer wieder auf dem Speckberg anzutreffen war. Aus jüngeren Abschnitten der letzten Eiszeit stammen charakteristische Steinwerkzeuge in Form von Messereinsätzen, Kratzern oder Sticheln, welche von den eiszeitlichen Jägern vor ca. 25 000 Jahren aus Klingen hergestellt wurden.
Einen Schwerpunkt von Fund stellen die typische Dreieckmikrolithen der nacheiszeitlichen Kultur von Jägern und Sammlern der mittleren Steinzeit dar. Sie wurden als Widerhaken von Harpunen und Pfeilen eingesetzt, mit denen Jagd auf Fische und Vögel gemacht wurde.
Dem Speckberg kommt eine besondere Bedeutung zu: Er ist die erste ergrabene altsteinzeitliche Freilandstation Süddeutschlands und gilt als „die größte und bestuntersuchte altsteinzeitliche Freilandfundstelle in Bayern“.

Geschichte
Der Nachweis einer Altsteinzeitlichen Jagdstation auf dem Speckberg gelang dem Nassenfelser Oberlehrer Oswald Böhme im Jahr 1961 durch den Fund eines Faustkeils. In der Folge davon fanden 1963 und 1964 Voruntersuchungen durch die Prähistorische Staatssammlung in München statt. Dabei erwies sich der Speckberg als mehrfach aufgesuchter Platz, an dem der eiszeitliche undnacheiszeitliche Mensch Jagdlager unterhielt.

In den Jahren 1966 bis 1968 wurden intensive archäologische Ausgrabungen unter der Leitung von Prof. Dr. Hansjürgen Müller-Beck durchgeführt, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurden. Insgesamt konnten etwa 400 000 Einzelobjekte geborgen werden, zumeist Steinwerkzeuge und die Reste von deren Herstellung. Man stellte dabei fest, dass der Speckberg zur Zeit der Neandertaler vielfach begangen wurde. Auffallende Werkzeuge dieser Zeit sind Faustkeile, Schaber und Spitzen aus Jurahornstein, den es um die Fundstelle in auslebender Menge gab. Die ersten Artefakte können schon vor mehr als 100 000 Jahren hergestellt worden sein.

Auch später, vor dem Kältemaximum der letzten Eiszeit wurde das Bergplateau vom frühen Homo sapiens vielfach aufgesucht. Von ihm stammen Klingenwerkzeuge wie etwa Kratzer, Stichel, Bohrer und Spitzen, mit denen er aus natürlichen Werkstoffen wie Holz, Knochen und Elfenbein Werkzeuge, Waffen andere Geräte herstellte.
Auch die Jäger und Sammler der ausgehenden Eiszeit vor 12000 Jahren und deren Nachfolger in der Mittelsteinzeit ließen sich aufgrund von Steinwerkzeugen nachweisen. Auch aus späten Epochen fanden sich zahlreiche Objekte, so etwa Keramik und Sicheleinsätze aus der Jungsteinzeit, Scherben aus der Urnenfelder Zeit, ein keltischer Ciasarmreif und ein römischer Denar. Diese Funde zeigen, dass der Berg immer wieder aufgesucht wurde.




 
Erstellt 27.11.2011 | Letztes Update 27.11.2011 | 3765 Aufrufe