Vorgeschichtliche Siedlung Goldberg [Baden-Württemberg]

Auch wenn man unbewusst am Goldberg vorbei fährt, fällt einem dieser äußerst beeindruckende Berg sofort auf. Samtartige Flächen, schroffe Gesteinsabbrüche und sanfte, aber ungewöhnlich wirkende Hügel umgeben den Berg. Auf dem Plateau, einer großen Streuwiese, pfeift der Wind und man hat einen beeindruckenden Blick auf den Ipf, den Blasenberg, den Langberg und die umgebende, ehemals keltische Umgebung. Am Nordende setzt man sich dann der aufragenden Steine, kommt zur Ruhe und genießt die Kraft eines wunderbaren Ortes!

Seinen großen Stellenwert in der archäologischen Forschung Süddeutschlands erlangte der Goldberg durch die für die damalige Zeit bahnbrechenden Ausgrabungen von Gerhard Bersu zwischen den Jahren 1911 und 1929. Er konnte weite Teile des Plateaus flächig ausgraben und die einzelnen, übereinander gelegenen Siedlungsschichten freilegen und nahezu vollständige Siedlungsgrundrisse mehrerer jungsteinzeitlicher und eisenzeitlicher Siedlungsphasen erhalten, die in das 5.-3. und in die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. datieren. Erstmals konnte hier am Goldberg eine stratigraphische Abfolge von drei verschiedenen jungsteinzeitlichen Kulturgruppen festgestellt und somit ein wesentlicher Beitrag für die Chronologie des Mittel- und Spätneolithikums in Süddeutschland geleistet werden.

Das heute noch ca. 250 m lange und 150 m breite Plateau (knapp 4 Hektar Fläche) des Goldbergs überragt die Riesebene um 60 Meter und stellt einen markanten Landschaftspunkt dar. Ursprünglich war die Hochfläche größer, jedoch wurde an drei Seiten der goldgelbe, tertiäre Sprudelkalk in kleinen Steinbrüchen abgebaut. Lediglich im Westen ist die ursprüngliche Form erhalten geblieben; dort ist die Bergkuppe durch einen flachen Sattel mit den Riesrandhöhen verbunden, wo sich auch in vorgeschichtlicher Zeit mehrere, heute nicht mehr erkennbare Befestigungen befanden.
Vorgeschichtliche Siedlung Goldberg

Das Plateau wurde wegen seiner guten Böden bis in jüngste Zeit landwirtschaftlich genutzt; durch die Überführung der letzten privaten Grundstücke in öffentlichen Besitz kann das Plateau in Heideland umgewandelt und dem Naturschutzgebiet angeschlossen werden.

Anfahrt
Auf dem Weg von Riebürg nach Großburghausen, bzw. Kirchheim am Ries, liegt der Goldberg links unübersehbar. Parken kann man rechts gegenüber.

Genauer Standort
Google: 48.859943,10.422328 (Anleitung)
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GPS-Daten: Download GPX-File

Geschichte
Die Ausgrabungen von G. Bersu in den 20er Jahren ergaben in einer bis zu 80 cm mächtigen, schwarzen Kulturschicht, die Spuren von fünf übereinander gelegenen Siedlungen, die mit Goldberg I – V bezeichnet sind. Unter dem Kulturschichtpaket waren im anstehenden Untergrund zahlreiche Eintiefungen von Pfostenlöchern, Wandgräbchen und Gruben zu erkennen.

Die Siedlungen Goldberg l bis V
Die unterste, älteste Siedlungsphase (Goldberg I) gehört der mittelneolithischen Rössener Kultur (5. Jahrtausend) an. Es war ein kleines Dorf mit etwa 20 Pfostenbauten. Gegen den Satte! im Westen war eine Palisade errichtet. Darauf folgt eine größere Siedlung (Goldberg II) der jung-neolithischen Michelsberger Kultur (4. Jahrtausend), die im Westen durch eine Abschnittsbefestigung aus Graben und Palisade befestigt war.

In das Endneolithikum (3. Jahrtausend) gehören etwa 50 kleine Hausgrundrisse einer großen Siedlung (Goldberg III), die weite Teile des Plateaus bedeckte. Damit endet die neolithische Besiedlung des Berges. Über einen längeren Zeitraum hinweg von der Mitte des 3. Jahrtausends bis zum 7./ 6. Jahrhundert v. Chr. sind aus verschiedenen Zeitabschnitten (frühe und späte Bronzezeit, Urnenfelderkultur) zwar immer wieder Funde bekannt, die jedoch kaum als Zeugnisse einer intensiven Besiedlung gewertet werden können.

Eine flächendeckende Besiedlung (Goldberg IV) setzt erst wieder mit einer befestigten, früheisenzeitlichen Höhensiedlung der Hallstattkultur im 776. Jh. v. Chr. ein. Nach Bersu handelte es sich um einen Burganlage mit Graben und Holz-Erde-Mauer an der Westseite des Berges. In der NO-Ecke ist ein markanter Gebäudekomplex deutlich von der übrigen Innenbebauung aus großen, zwei- und dreischiffigen Pfostenbauten durch eine Palisade mit Zugang abgesetzt. Dieser Komplex wird als Sitz des Burgherrn gedeutet und ist Zeugnis einer sich ausdrückenden sozialen Differenzierung und der Herausbildung einer aristokratischen Oberschicht im Verlaufe der Hallstattzeit.

Aus der römischen Kaiserzeit des 2./ 3. Jh. n. Chr., aus der Völkerwanderungszeit des 4. Jh. und aus spätmerowingischer Zeit des 7. Jh. n. Chr. gibt es jeweils wenige Funde, die jedoch keine Hinweise auf eine dauerhafte, frühgeschichtliche Besiedlung geben können. Mit der spätmerowingischen Zeit enden die archäologischen Belege für eine Begehung des Berges.




 
Erstellt 24.08.2011 | Letztes Update 30.07.2012 | 3910 Aufrufe