Burganlage auf dem Michelsberg bei Kipfenberg

Am Michelsberg fährt man gerne vorbei, wenn man kein Auge für besondere Orte hat. Nur ein weithin sichtbares Kreuz auf einem Felsvorsprung sieht man und sonst nichts. Nachdem sich aber auf dem Michelsberg eine vorgeschichtliche Befestigungsanlage und eine alte Burganlage befindet, wird die Sache schon interessanter.
Schon bereits der Aufstieg an der Ostseite lässt erahnen, welche beeindruckender Platz einen erwartet. Ein abenteuerlicher Weg, steile Felsen, uralte Bäume und ein wunderschöner Blick ins Birktal entschädigen für den Schweiß des Aufstiegs.

Oben auf dem Plateau angekommen, fällt einem unweigerlich der tiefe Graben und die massiven Steine der Befestigungsanlage auf. Ein lichtdurchfluteter Wald, das Rauschen der Blätter im steten Wind, eine beeindruckende Wallanlage und angenehme Ruhe zeigen einem, dass man dort an einem angenehmen Ort angekommen ist. Dann durchquert man den Graben der Länge nach und geht am Ende rechts. Dort auf der Freifläche, ehemals Standort der Michaelskirche, hat man einen wunderbaren Ausblick auf das Altmühltal und die Burg Kipfenberg. Wenn man dann wiederum rechts an der Bergkante im Osten zurück geht, wird es ruhiger und geheminisvoller. Dort finden sich viele schattige Plätze zum Verweilen. Lasst Euch dort nieder und genießt die Ruhe und die Kraft eines unscheinbaren, aber beeindruckenden Ortes.

Burganlage Michelsberg bei Kipfenberg O – Standort
1 – Ruine Michaelskirche
2 – Mittelalterliche Wehrbauten
3 – Rest einer vorgeschichtlichen Wall/ Grabenbefestigung
4 – Mittelalterliche Burg mit Wehrmauer
5 – Rest einer vorgeschichtlichen Wall/ Grabenbefestigung
6 – Kalkofen (neuzeitlich)
7 – Römisches Gebäude
8 – Vorgeschichtlichen Wall/ Grabenbefestigung

Geschichte
Der Eichstätter Bischof Erchanbold erhielt im Jahre 908 von König Ludwig die Erlaubnis, Befestigungsanlagen gegen die Einfälle der Ungarn- zu errichten. Der in den Fels geschlagene tiefe Graben sowie der der anschließende mächtige Wall ist daraufhin im Auftrag des Eichstätter Bischofs entstanden. Auf dem Scheitel des Walls befand sich ursprünglich wohl nur ein Palisadenzaun. Gegen Ende des 10. Jhd. oder Anfang des 11. Jhd. wurde in der Mitte des Walls ein quadratischer Bau mit 18 m Seitenlänge errichtet, von dem aus jeweils zum Steilabfall des Michelsberg eine 2,50 m breite Wehrmauer verlief. Im Untergeschoss des quadratischen Baues befand sich ein rundes Säulenfundament als Lager einer Gewölbe-Balkendecke. Der Zugang zu dieser frühen Burganlage lag im Norden. Im 12. Jhd. wurde in der NW-Ecke ein Buckelquaderturm (Bergfried) eingebaut. Die Burg war in dieser Zeit wohl der Sitz der Pemminger, einem nach dem Ort Böhming benannten Adelsgeschlecht. Anfang des 14. Jhd. wurde die Anlage weitgehend abgetragen.

Die von steilen Felswänden umgebene Bergzunge des Kipfenberger Michelsberges bot sich aufgrund ihrer natürlichen Voraussetzungen als Platz einer Befestigung in geradezu idealer Weise an. Daß von der Gunst der Lage in der Vergangenheit auch ausgiebig Gebrauch gemacht wurde, davon zeugen die heute noch auf dem Plateau eindrucksvolle Reste zahlreicher Wehrbauten. Bei archäologischen Untersuchungen in den Jahren 1903 -1906 konnte der Eichstätter Archäologe Dr. Friedrich Winkelmann die Ruinen und Erdwerke von einer ganzen Reihe verschiedener Befestigungsbauten aufdecken. Der wohl bedeutendste und eindrucksvollste Bereich der ehemaligen Anlagen stammt aus dem Mittelalter. Zur Sicherung des Hochplateaus wurde hierbei ein Graben mit senkrechten Wänden 3 m tief in das Gestein eingehauen. Das Ausbruchmaterial des an seinem Westende 7 m und an seinem Ostende 11 m breiten Grabens wurde zur Aufschüttung eines 6 m hohen, und an seinem Fuß 25 m breiten Walls verwendet. Das übrige Gesteinsmaterial hat man über den Osthang ins Tal geschüttet, wo es heute noch als Gesteinshalde sichtbar ist. Auf der Wallkante zieht sich eine 2,50 m breite Maue entlang, die mit einer dahinter liegenden Stützmauer, die Basis eines Wehrganges mit Brustwehr darstellt. Am Westende der Anlage befand sich ein Torbau mit unregelmäßigem Grundriss, der die Eingangssituation beherrschte. In der Mitte des Walles befindet sich ein mächtiger Bau von 18 m Seitenlänge im Quadrat, von dem 2 m starke Grundmauern bei den Ausgrabungen entdeckt wurden. Diese Bauten dürften im Zusammenhang mit der gesamten Befestigungsanlage gesehen werden, die ursprünglich wohl als Fliehburg gegen die drohenden Einfalle der Ungarn im 10. Jhd. errichtet worden ist. Im Nordwesteck des Burgareals wurde später (11./12. Jhd.) ein Turm aus Buckelquadern errichtet, vergleichbar dem heute noch zu beobachtendem Bergfried der gegenüberliegenden Burg Kipfenberg. Mit Ausnahme der Michaelskirche dürfte die gesamte Bebauung bereits im 13 Jhd. ihr Ende gefunden haben.

Anfahrt
In Kipfenberg biegt man ins Birktal in Richtung Denkendorf ab. Nach wenigen Metern ist rechts eine Wegweisung zu einem Parkplatz ausgeschildert, der man folgt und dort parkt. Auf dem Parkplatz geht man in Richtung Kipfenberg zurück. An der linken Seite erscheint der Anfang eines Weges auf den Michelsberg und geht diesen Weg hinauf.
Achtung, für den Weg sollte man schon etwas trittsicher sein!

Genauer Standort
Google: 48.97371,11.306516 (Anleitung)
Google Earth: Download KMZ-File
GPS-Daten: Download GPX-File




 
Erstellt 13.09.2011 | Letztes Update 13.09.2011 | 3515 Aufrufe