Burgruine Neideck

Die Burgruine Neideck ist die größte und bedeutendste Burganlage der Fränkischen Schweiz. Strategisch günstig gelegen, wird der Bergsporn ab der letzten Phase der Bronzezeit nahezu ohne Unterbrechung über die frühe Eisenzeit bis zum Beginn der späten Eisenzeit besiedelt.  Die eigentliche Burg entstand erst um das 8. Jhd. n. Chr.

Wenn man sich auf dem Bergsporn und de angrenzenden Bergrücken befindet, kann man nachvollziehen, warum sich die Menschen seit Jahrtausenden von Jahren dort wohlgefühlt haben.  Die besondere Lage im beeindruckenden Wiesenttal ist einzigartig und macht daraus einen besonderen Ort. Dichte, lichtdurchflutete Wälder, mystisch anmutende Gesteinsformationen und eine naturbelassene Flora lassen einen in der Zeit zurück reisen. Eine geheimnisvolle und kraftvolle Gegend!

Burgruine Neideck (rechts) und der Müllerfelsen (links)

Link
»Geschichte der Burg Neideck

Anfahrt
Gegenüber von Streitberg fährt man in Richtung Freibad/ Niederfellendorf. Dort hält man sich links und parkt vor dem Freibad, wo die Burg bereits ausgeschildert ist.

Genauer Standort
Google: 49.808967,11.232047 (Anleitung)



Die Geschichte der Burg Neideck
Vor- und Frühgeschichte
Einer der markantesten Punkte im Wiesenttal ist die Neideck, von der man weite Teile dieser in allen vorgeschichtlichen Perioden wichtigen Wasserstrasse überblickt. Dieser Platz, der eine hervorragende Bedeutung im Mittelalter innehatte, war wegen seiner prominenten Lage bereits ab der letzten Phase der Bronzezeit (12. – 9. Jhd. v. Chr.) nahezu ohne Unterbrechung über die frühe Eisenzeit (8. – 5. Jhd. v. Chr.) bis zum Beginn der späten Eisenzeit (5. Jhd. v. Chr.) und schließlich noch einmal von Germanen kurz nach der Zeitenwende besiedelt.

Neben mehreren jungsteinzeitlichen Siedlungen, deren wichtigste in Eschlipp (ca. 5.000 v. Chr.) und auf der Ehrenbürg (ca. 4.000 v. Chr.) lagen, beginnt seit der mittleren Bronzezeit (17. Jhd. v. Chr.) eine ständig anwachsende Besiedlung des Wiesenttals, deren Höhepunkte durch die mächtigen Befestigungsanlagen auf der Ehrenbürg (13. und 10. – 9. Jhd. v. Chr.) gekennzeichnet sind. Hierzu gehören auch die frühesten Bestattungen in den Grabhügeln von Kirchehrenbach (Fichtig).

Die zahlreichen Grabhügelfriedhöfe im Wiesenttal wurden jedoch meist vom 8. – 5.Jhd. v. Chr. von den Kelten in der frühen Eisenzeit angelegt. Die wichtigsten liegen im Fichtig in Kirchehrenbach, dem Friedhof der großen Mittelpunktsiedlung auf der Ehrenbürg, in Hetzelsdorf, in Wännbach und in Wichsenstein, von denen der eine zu der kleinen frühkeltischen Befestigung auf dem Heidelberg bei Schweinthal gehört. So wie der Heidelberg lag auch die kleinere, gleichzeitige Befestigung auf dem Schlossberg bei Burggaillenreuth im Einflussbereich der mächtigen Ehrenbürg.

Zu Anfang des 4. Jhd. v. Chr. wurden die Befestigungen und die Friedhöfe aufgegeben, wobei hierfür wohl die historisch belegten Keltenwanderungen verantwortlich waren. Eine erneute Besiedlung des Wiesenttals durch die Kelten beginnt ab der Mitte des 2. Jhd. v. Chr., worauf eine größere Anzahl von Fundplätzen hin weist, deren zentraler Ort nun nicht mehr auf der Ehrenbürg, sondern in Altendorf (Lkr. Bamberg) lag.

In der zweiten Hälfte des 1. Jhd. v. Chr. setzt eine allmähliche Zuwanderung durch Elbgermanen ein, im Zuge derer die spätkeltische Kultur ihr Ende findet.

Geschichte im Früh- und Hochmittelalter
Archäologische Funde aus der Karolingerzelt belegen, daß der Bergsporn der Neideck auch In dieser Epoche besiedelt war. Neben einzelnen Keramikscherben sind es kleine Fibeln, die mit Email verziert waren und die eine Nutzung des Berges als Wohnort belegen. Befestigungsspuren des 9. und 10. Jhd. wurden dagegen noch nicht entdeckt. Es ist jedoch möglich, daß ein Wall genau an der gleichen Stelle verlief, an der später die Schildmauer der äußeren Vorburg errichtet wurde. Pfostenspuren eines Hauses mit äußeren Schrägstreben in der inneren Vorburg belegen, daß hier ein größeres Wohnhaus aus dem 8./g. Jhd. stand. Die Nutzung des Berges in dieser Zeit ist auf jeden Fall im Zusammenhang mit der Forchheimer Pfalz und der dortigen Zollstelle zu sehen, als Waren zwischen den weiter östlich lebenden/ slawischen Völkerschaften und den im Regnitzraum ansässigen Franken über das Wiesenttal nach Westen gehandelt wurden.

Im 11. Jhd. kommt es zu umfangreichen Baumaßnahmen auf dem Neidecker Burgberg. Im Bereich der inneren Vorburg entsteht ein mächtiger, runder Wohnturm von 10 m Durchmesser. Solche großen Türme waren in der Salierzeit die typischen Wohngebäude des Adels. Mit ihren oft 2530 m Höhe ragten sie hoch über die Landschaft und waren repräsentative Symbole der Ritterschaft. In den einzelnen Etagen gab es auch beheizbare Räume, die über offene Kamine verfügten, und außen angebrachte Aborterker.

Neben diesem Wohnturm fanden sich Reste eines steinernen, rechteckigen Hauses wenig nördlich des Wohnturmes und Teile der östlichen Ringmauer im Bereich der Hauptburg. Die Burggräben, die heute noch erkennbar die Vorburgen von der Hauptburg trennen, gab es damals noch nicht. So stand der Wohnturm inmitten eines großen, ummauerten Burgareals. Die Schriftquellen geben keine Auskunft, wer die Anlage errichtet hat und wem sie gehörte.

(Quelle: Schautafeln Burg Neideck)




 
Erstellt 29.05.2012 | Letztes Update 30.04.2013 | 2872 Aufrufe