Ofnethöhlen

Die Funde in den Ofnethöhlen am felsigen Südhang des Riegelberges deuten auf eine über 40000 Jahre alte Nutzung durch den Menschen hin. Zahlreiche Funde erzählen von der steinzeitlichen Besiedlung; ihre Bekanntheit verdanken die Ofnethöhlen jedoch der Entdeckung zweier 8000 Jahre alter Schädelnester im Jahr 1907.

Schon der außergewöhnliche Riegelberg ist ein besonderer Ort, aber die beiden Ofnethöhlen -besonders aber die große- sind besondere und geheimnisvolle Orte. Für die damals dort lebenden Menschen waren die Höhlen wohl auch schon besondere Plätze und diese Kraft hat sich bis in die Gegenwart erhalten. Die beiden geheimnisumwitterten Höhlen strahlen unvermindert Kraft und eine starke Mystik aus. Wer sie in Ruhe genießen kann, vielleicht auch einen Spaziergang über den Riegelberg macht, sich einfach in dem weichen, samtähnlichen Gras niederlässt und sich in Gedanken mit der Geschichte verbindet, wird einen sensationell kraftvollen Ort kennenlernen.

Geschichte
Die älteste Benutzung dieser Höhlen, der Großen und der Kleinen Ofnet, erfolgte bereits während der mittleren Altsteinzeit (Mousterien) vor ca. 40000 Jahren. Mittels der sog. Kerntechnik wurden aus gut spaltbarem Steinmaterial durch Abschlagen von Spänen Werkzeuge herausgearbeitet, mit denen man Holz. Fell und Knochen behandeln konnte. Am Beginn der jüngeren Altsteinzeit (Aurignacien) wurden die Steinwerkzeuge vor allem in der sog. Klingentechnik hergestellt, indem man vom Steinkern einzelne Klingen abdrückte oder abschlug, die nun selbst durch feine Randretuschen zu Schneid-, Schab-, Säge- oder Bohrwerkzeugen wurden. Vom Ende der Altsteinzeit (Magdalenien) und dem Ende der letzten Eiszeit stammen dann sorgfältig gearbeitete, schmale Steinklingen, die teilweise auch als Spitzen oder Widerhaken in Holzlanzen bzw. Harpunenspitzen eingesetzt werden konnten.

Ausgrabungen (1923, 1939) in Flur Himmelreich ergaben Siedlungsreste der Jungstein-(Altheim), Hallstatt- und Frühlaténezeit. Die Wallanlage mit 3 m breiter Trockenmauer unter dem Wall dürfte frühlaténezeitlich sein (400 v.Chr.).
Erste Hinweise auf religiöse Vorstellungen ergaben sich aus der Aufdeckung von Schädelbestattungen in der Großen Ofnet. Hier lagen -in zwei benachbarten Mulden in mit Ocker und Asche durchsetzter Erde- 27 bzw. 6 menschliche Schädel, aufrecht gestellt mit dem Gesicht nach Westen zum Höhleneingang. Das Vorhandensein der obersten Halswirbel und Schnittspuren an diesen Wirbeln beweisen, dass die Schädel nicht skelettiert vergraben, sondern nach gewaltsamer Abtrennung beigesetzt worden sind. Neben 4 Männerschädeln ohne Beigaben wurden 9 Frauen- und 20 Kinderschädel aufgedeckt, denen rund 4000 durchlochte, z. T. aus dem Mittelmeergebiet stammende Schnecken und 200 durchbohrte Hirschzähne mitgegeben waren. Dieser Schmuck war ursprünglich wohl auf Kopfbedeckungen aufgenäht oder in die Frisuren eingeflochten gewesen. Nach anthropologischem Befund gehören die Schädel zu verschiedenen Menschentypen.
Funde in den Ofnethöhlen

Geologie
Die Kalkgesteine des Oberen Jura (Malm) sind am Südende des Riegelberges als massiger Riffkalk entwickelt. Während der vergangenen Jahrnillionen unterlagen sie mehrfach der Verkarstung, bei der in Sickerwässern aus Atmosphäre und Bodenluft gelöstes Kohlendioxid die Kalksteine auflöste. Die Karstformen im Südwester, des Riegelberges bezeugen diesen Prozess. Nahe der Hangkante sind „Karren“ – Lösungsrillen im Kalkstein – zu sehen. Besonders eindrucksvoll aber sind die Große und die Kleine Ofnethöhle, Reste eines ehemaligen, unterirdischen Karstsystems. Sie stellen Höhlenruinen dar, die auf der vom Ries-Krater abgewandten Seite von einem Trockental angeschnitten sind. Die Große Ofnethöhle liegt auf 520 m Höhe und besitzt eine Gesamtganglänge von einigen 10er Metern. Etwa 50 m schräg oberhalb befindet sich die Kleine Ofnethöhle; sie verfügt über eine Gesamtlänge von ca. 15 m.

Anfahrt
In Utzmemmingen fährt man in Richtung Ederheim. Links sieht man bereits den charakteristischen Riegelberg, an dessen Fuß die Villa Rustica liegt. An ihr läuft man in Richtung Riegelberg vorbei und sieht bald in den offen liegenden Steinen die beiden Ofnethöhlen.

Genauer Standort
Google: 48.818337,10.450351 (Anleitung)
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Erstellt 20.07.2011 | Letztes Update 24.07.2011 | 6476 Aufrufe