Fürstengrab Greding-Großhöbing

Im Mittelpunkt des »Archäologie Museums Greding steht die Installation eines bei Großhöbing entdeckten Fürstengrabes mit einer Fünffachbestattung aus dem 7. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um die letzte Ruhestätte eines nach den Riten seiner Zeit bestatten adeligen Herren und seiner vier engsten Begleiter.

Die fünf Bestatteten liegen in Kammern aus Eichenholz. Links liegt der „Fürst“, ein vornehmer Krieger, und ein Begleiter. Sein hoher Rang zeigt sich an der mit Goldborten besetzten Tunika und einer wertvollen Spatha. In der rechten Kammer liegen drei Krieger. Der „Fürst“ und Krieger 2 und 3 waren möglicherweise Brüder, ebenso Krieger 4 und 5. Sie waren zudem mit dem „Fürsten“ verwandt, vielleicht Cousins.
Fürstengrab im Archäologie Mueseum Greding

Die Fünf wurden gleichzeitig erschlagen. Die Täter gingen mit äußerster Brutalität vor und schlugen bis zu elfmal auf ihre Opfer ein. Bei Skelett 4 lag eine abgeschlagene halbe Hand. Scheinbar blieb diesem Krieger noch Zeit zur Gegenwehr und er erhielt die Finger des Gegners als Kampftrophäe mit ins Grab. Möglicherweise fielen sie einer Fehde innerhalb der Familie oder mit rivalisierenden Adelsgruppen zum Opfer. Dies wäre für das 8. Jh. nicht ungewöhnlich. Als Vertreter der örtlichen Elite kontrollierten sie den Durchgang durch das Schwarzachtal ins baierische Herzogtum. Deshalb könnten sie auch bei Konflikten mit dem expandierenden Frankenreich ums Leben gekommen sein.

Fürstengrab im Archäologie Mueseum Greding 1000 Gräber – so groß war die Nekropole von Greding-Großhöbing wahrscheinlich im 7. und 8. Jahrhundert nach Christus. Am südwestlichen Rand des Gräberfeldes lagen fünf Grabhügel nebeneinander. Den größten Hügel umgab ein Kreisgraben mit einem Durchmesser von 16 Metern. Im Zentrum waren fünf Krieger bestattet. Um diesen Hügel gruppierten sich mehrere bemerkenswerte Gräber. Auf dem Skelett einer Frau in Hockerstellung lag der Unterkiefer eines Rindes – sie war wahrscheinlich eine Anhängerin oder Priesterin der vorchristlichen Religion.

Im verfüllten Kreisgraben lagen 20 beigabenlose Gräber von Männern, Frauen und Kindern. Ihre Lage ist auf den Grabhügel bezogen und weicht von der allgemeinen Ausrichtung des Gräberfeldes ab. Dies weist auf ihre besondere Verbindung mit den fünf Kriegern hin.

Blickte man vom Tal aus nach oben, so bot die Reihung von Grabhügeln sicher einen imposanten Eindruck. Sie diente der Selbstdarstellung der regionalen Elite, die entlang des alten Verkehrsweges an der östlichen Grenze des Frankenreiches klug platziert ihre Macht demonstrierte. Heute verläuft über dem Weg die Straße nach Untermässing.

Anfahrt
Die Gräber in Greding-Großhöbing sind leider nicht mehr zu sehen. Eine Nachbildung befindet sich im »Archäologie Museum Greding.

Genauer Standort
Google: 49.072348,11.303165 (Anleitung)




 
Erstellt 03.06.2012 | Letztes Update 04.06.2012 | 3249 Aufrufe