Hügelgräber Zuchering

Wo heute Wohnhäuser und Gärten zu sehen sind, wurden vor dreitausend Jahren Menschen bestattet. Das Gräberfeld „Zuchering-Ost“ ist unter den zahlreichen bekannten Friedhöfen der ausgehenden Bronzezeit von herausragender Bedeutung. Vom 13. bis zum 8. Jh. v.Chr. wurden hier wohl um die tausend Menschen bestattet. Damit gehört der Zucheringer Friedhof zu den größten und am längsten belegten Bestattungsplätzen seiner Zeit.

Die Hügelgräber liegen zu nahe an der Siedlung, um ein wirklich kraftvoller Ort zu sein, aber dafür ist es der nahe Kempe-Weiher. Trotzdem ist es aber ein geschichtlich sehr bedeutender Ort, der einen Besuch wert ist.

Geschichte
Hügelgräber Zuchering-Ost Die Entdeckung des Gräberfeldes ist ein Erfolg der Luftbildarchäologie. Die Gräber gaben sich durch den unregelmäßigen Pflanzenwuchs auf den Feldern zu erkennen. 1982 bis 2002 grub sie das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, unterstützt von der Stadt Ingolstadt, aus. Die wichtigsten Funde können im Stadtmuseum Ingolstadt und in der Schule Zuchering betrachtet werden. Auch Kelten, Römer und Bajuwaren haben hier ihre Spuren hinterlassen.
Der Grund dafür ist die verkehrsgünstige Lage Zucherings. Noch heute führen Bahn und B16 als Nachfolger der uralten Donausüdstraße zwischen Donauauen und Donaumoos über Zuchering.

Die ersten Zucheringer
Die Römer bauten im Umfeld von Zuchering mehrere Kastelle und Gutshöfe. In Zuchering selbst stand aber nur eine kleine Villa rustica. Sie war längst verfallen, als sich die ersten germanischen Bauern im 6. Jh. auf dem späteren Grabungsgelände niederließen. Wohn- und Speicherbauten, Stallungen, Arbeitshütten, Brunnen, Zäune und Wege konnten die Archäologen dokumentieren. Eines dieser Häuser lieferte den Grundriss für das hiesige Informationsgebäude. Eine Besonderheit war die Verhüttung von Eisenerz. Die Reste von Verhüttungsöfen und Unmengen von Schlacke legen ein beredtes Zeugnis ab.
Spätestens seit dem 12. Jh. veränderte sich die Siedlungsstruktur Süddeutschlands. Ganze Dörfer wurden verlagert, zusammengelegt oder aufgegeben. Die Zucheringer zogen zur Kirche St. Blasius. Am Nordufer der Donau entwickelte sich die Siedlung Ingolstadt zur Stadt. So erhielten Zuchering und Ingolstadt zur gleichen Zeit ihr heutiges Ortsbild.

Tod im Topf – Das Gräberfeld der späten Bronzezeit
Der späte Abschnitt der Bronzezeit heißt zwischen Ostfrankreich und Niederösterreich Urnenfelderzeit (13. bis 8. Jh. v.Chr.). Denn man kennt heute aus dieser Epoche vor allem die Feuerbestattungen. Die verbrannten Knochenreste der Verstorbenen wurden mit Beigaben in Urnen der Erde übergeben. In diese Epoche fallen der Untergang von Troia (13. Jh. v.Chr.) und die sagenhafte Gründung Roms (8. Jh. v.Chr.).
Bei uns lebten die Menschen in kleinen Weilern mit Häusern aus Holz und Flechtwerk. Nicht Könige, sondern ein lokaler Kriegeradel regierte hier. Seine Angehörigen zeigten sich gern als Kämpfer, Wagenlenker und großzügige Gastgeber, wie die Helden Homers.
Die rasche Verbreitung der Totenverbrennung weist zusammen mit neuen Glaubenssymbolen (Sonnenscheibe, Wasservogel etc.) auf eine neue Naturreligion hin. Manche Sitten der vorangegangenen Hügelgräber-Bronzezeit lebten aber zunächst weiter. So bestattete man die Toten weiterhin in Grabkammern unter flachen Hügeln, die von Kreisgräben umgeben waren. Waffen, Schmuck, Gold, Bernstein und Metallgefäße wurden weiterhin den Toten mitgegeben.

Aufbruch ins keltische Zeitalter
Etwa 1200 v.Chr. hatten sich die neuen religiösen Vorstellungen ganz durchgesetzt. Das zeigen relativ schlichte Urnenbestattungen mit einem Minimum an Beigabe.
Schließlich lockerten sich die strikten religiösen Vorschriften. Reiche und vornehme Leute waren im 9. Jahrhundert v.Chr. oft wieder an ihren Gräbern erkennbar. Sie erhielten erneut Einfriedungen und kleine Hügel, die Grabhügel.
Ein neues Zeitalter warf seine Schatten voraus: die Eisenzeit mit ihren keltischen Fürstengrabhügeln. Aber erst viele Generationen später entstand beim benachbarten Manching die berühmte Keltenstadt. Einige der äußerst seltenen Brandgräber der letzten vorchristlichen Jahrhunderte sind bei den Ausgrabungen in Zuchering erforscht worden.

Anfahrt
Wenn man von Zuchering auf der Weicheringer Straße in Richtung Seehof fährt, kommt gleich nach dem Netto-Discounter rechts eine Einfahrt mit dem Schild „Archäologie“. Dort fährt man hinein, parkt dort und läuft den Weg schräg rechts am Weiher vorbei, wo man dann zu dem Unterstand mit der Schautafel kommt.

Genauer Standort
Google: 48.712695,11.416366 (Anleitung)




 
Erstellt 12.10.2011 | Letztes Update 12.10.2011 | 2792 Aufrufe