Ipf bei Bopfingen

Am Westrand des Nördlinger Ries erhebt sich der 668 Meter hohe Ipf. Schon beim sich Nähern dieses beeindruckenden Berges erkennt man die Besonderheit des Platzes. Wenn man sich dann auf den Weg auf den Ipf macht, spürt man eine überwältigende Kraft, die erahnen lässt, warum es sich hier um ein Zentrum der damaligen Welt handelt. Vorbei an langen Wällen und markanten Gräben erreicht man das Plateau und man hat einen sensationellen Ausblick auf ehemals keltisches Land.

Der Wind pfeift ungestühm und weißt auf die Verbundenheit mit den Naturkräften hin. Und wer sich dann auf die samtweiche Oberfläche der Wiese legt, dem steten Wind lauscht, wird ihn als Musik empfinden. Allgegenwärtig ist eine gewaltige Kraft und wer sich auf sie einlässt, ist an diesem mystischen Ort angekommen. Der Ipf – ein wirklich phänomenaler Platz!

Bei meinem Besuch habe ich mir wirklich schwer getan, mich aus dem Gras zu erheben und das Plateau des Ipf zu verlassen. Zu schön, kraftspendend und beeindruckend ist der Aufenthalt dort!

Geschichte
OMA – OPIE – Zum antiken Namen des Ipf
Die antike Bezeichnung des Ipf ist wahrscheinlich auf die vorgeschichtlich (keltische?) Bezeichnung OPIA zurückzuführen, von der sich wiederum die auf der Tabula Peutingeriana überlieferte antike Nennung OPIE ableiten Iässt. Die Ortsbezeichnung OPIE bezieht sich dabei wohl auf das zu Füßen des Ipf gelegene römische Kastell mit Zivilsiedlung in Oberdorf, Stadt Bopfingen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass damit auch eine 1990 ausgegrabene römische Straßenstation gemeint sein könnte, die bei Flochberg, Stadt Bopfingen. südöstlich des Ipf im Egertal liegt.

Die Anlage
Der moderne Weg zum Gipfel dürfte im Wesentlichen dem vorgeschichtlichen Zugang entsprechen. Er führt durch eine im Bereich der untersten Befestigung (5) vermutete Toranlage. An einem zweiten Wall (4, Zwischenwall) vorbei erreicht man einen eindrucksvollen Zwischenwall (3), der hier eine zusätzliche Sicherung des Gipfelplateaus gegen die flache Ostseite bildet. Das Kernstück der vorgeschichtlichen Befestigungen bildet das ovale Gipfelplateau mit einem größten Durchmesser l von 185m. Es liegt 210 m über der Niederung der Sechta und bietet mit seinen nach Norden, Westen und Süden steil abfallenden Flanken einen hervorragenden natürlichen Schutz. Den Kern der Befestigung bilden der Randwall (1) um das Gipfelplateau mit dem etwa 10 – 15 m tiefer gelegenen Graben (2).
Ipf bei Bopfingen - Anlage
An der Nordseite verlaufen kleinere Wallsysteme (6) von den Befestigungen aus den Berg hinunter. Sie schließen die als Wasserschächte bzw. Brunnen gedeuteten Trichtergruben „Löffel“ (B) und „Pfanne (A) in das Befestigungssystem mit ein. Weiter im Westen liegt außerhalb der Befestigung die größte der drei Trichtergruben, der „Kessel“ (C). Sie liegen im Bereich von Quellhorizonten an der Grenze zwischen verschiedenen Schichten des Juragesteins.

Anfahrt
In Bopfingen überragt der charakteristische Ipf unübersehbar die Stadt. Am besten fährt man in Richtung Kirchheim am Ries, wo vor Kalkofen ein großer Wegweiser steht. Es geht links an den Infopunkt zum Ipf, wo man parken und die Wanderung auf den Ipf starten kann.

Genauer Standort
Google: 48.870361,10.35676 (Anleitung)

Das Umland des Ipf
Der Verdacht dass es sich beim Ipf um einen Fürstensitz der älteren Eisenzeit handelt, hat durch neue Entdeckungen uns Ausgrabungen unerwartete Aktualität erfahren und die Bedeutung seiner Befestigungen sowie des Siedlungsumfeldes unterstrichen. Dazu wurden in Eisenerzvorkommen und Verhüttungsnachweisen im Vorfeld des Berges Zeugnis für die wirtschaftlichen Grundlagen der Burg gewonnen. Zugleich ergaben sich unerwartete Aufschlüsse für das Verhältnis der beiden benachbarten hallstattzeitlichen Siedlungen und Befestigungen auf dem Ipf und dem Goldberg, die zu einem neuen Verständnis der älter eisenzeitlichen Siedlungslandschaft am Nördlinger Ries führen.

Für das Verständnis der eisenzeitlichen Kulturlandschaft ist auch die Verkehrsgeographie wichtig. Sie zeigt schon auf den ersten Blick, dass der Ipf mit seinen Befestigungen ein beherrschender Knotenpunkt war, dessen Bedeutung bis in das überregionale Fernhandelsnetz reicht. Denn das Ries bietet von der Donau her einen natürlichen Durchgang zwischen der östlichen Schwäbischen Alb und der Frankenalb folgt man dem Trauf der Schwäbischen Alb nach Westen bis in das Aalener Becken, dann gelangt man das Remstal abwärts in das Neckarland.

Davon ganz abgesehen: das südlich anschließende Härtsfeld ist reich an Bohnerzvorkommen, die schon lange als bedeutender Faktor für die Wirtschaft der Ipf-Region vermutet wurden; die auffallende Vielzahl eisenzeitlichen Grabhügel und Vieretkschanzen bis in den Heidenheimer Raum wurde entsprechend gedeutet.




 
Erstellt 22.07.2011 | Letztes Update 27.08.2012 | 7300 Aufrufe