Spätkeltische Höhensiedlung Houbirg

Die Houbirg Das Wort Houbirg teilt sich in zwei Wörter auf in „Birg“ und „Hou“. Birg stammt vom Wort „bergen“, was so viel bedeutet wie sich auf dem Berg zur Verteidigung zurückziehen und Hou ist mit dem Wort „Hag“ verwandt, was Dorngesträuch, Einfriedung und befestigter Platz bedeutet.

Die Houbirg ist eine der größten keltischen Höhensiedlungen Süddeutschlands, die von einem ca. 4,5 km langen Ringwall (vgl. Nürnberger Stadtmauer: 4 km) umschlossen war. Die eigentliche Siedlung war dauerhaft bewohnt, jedoch war das Plateau mit ca.1 km² groß genug, so dass nicht die ganze Fläche Siedlungsgebiet war, wodurch es bei Gefahr noch genügend Platz für Flüchtlinge aus den Talorten gab (Fliehburg).

Erste Besiedlungsnachweise gehen bis ca. 1600 v. Chr. zurück. Man nimmt an, dass die Anlage in zwei Hauptbesiedlungsphasen erbaut wurde, in der Urnenfelderzeit (ca. 900 – 800 v. Chr.) und in der frühen Keltenzeit (ca. 500 v. Chr.), endgültig ausgebaut wurde sie durch die keltische Latenekultur.

Es existiert nur ein einfacher, schlecht zu sichernder Stichwall zum Hohlen Fels. Daher nimmt man an, dass die Anlage nicht vollendet wurde. Womöglich wurde das oppidum ca. 300 v. Chr. verlassen, da die Kelten wahrscheinlich dem Druck der Germanen nachgegeben haben.

Da die Ostseite am meisten gefährdet war, hat man einen zweiten Wall vor den ersten gebaut. Zwischen den beiden Wällen verläuft ein 4 m breiter Graben, d.h. die Hauptangriffsseite war dreifach geschützt. Um sich besser verteidigen zu können, stellte man einen Deckungsaufbau aus Holz auf die Wallkrone auf.
Die Tore bildeten naturgemäß gewisse Schwachstellen, weshalb sie durch weitere Torsicherungen besonders bewacht werden mussten:
Die Walle waren rechts und links des Zugangs leicht zurückgebogen, die Tore nach innen versetzt, so dass eine trichterartige Gasse entstand. Dadurch konnten die Siedler den Zugang von beiden Seiten bewachen.

Das Tor im Ostwall (b) war das Haupttor und auch der bequemste Zugang für Wagen. Die weiteren Tore (c, d, e) wurden „einfach“ gesichert, indem der Wallverlauf unterbrochen wurde, so dass die Schenkelenden voreinander lagen und somit eine seitlich führende Torgasse bildeten. Eine wichtige Voraussetzung für die Bewohnbarkeit einer solchen Anlage war eine Quelle und dadurch eine Wasserzufuhr. Eine für die Kelten wichtige Quelle (f) befindet sich in der Nähe des Westtores, jedoch außerhalb des Walles, wodurch man sie besonders verteidigen musste. Eine weitere lag innerhalb der Anlage im Karwinkel (g), daneben gab es noch die sogenannte „Hüll“ (Regenwassermulde in einer Doline, h) im südöstlichen Teil der Anlage.
Die Houbirg

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»Hohler Fels auf der Houbirg

Meine Empfehlung
Um die Houbirg wirklich richtig genießen zu können, empfehle ich den Besuch zu nicht „touristischen“ Zeiten (wie Wochenenden, Feiertage) und früh/ spät am Tag.

Anfahrt
Von der B14 fährt man nach Happurg und biegt die erste Straße (Hersbrucker Str.) links in den Ort ab. Die dritte Straße (Hohenstädter Str.) biegt man links ab, die dann zum Pommelsbrunner Weg wird, dem man bis zu Weggabelung mit dem Südring folgt; dort parkt man. Dann geht man den Weg den Berg hinauf, bis man an eine Schautafel über die Houbirg kommt.

Genauer Standort
Google: 49.494054,11.486721 (Anleitung)


Geschichte
Die Houbirg gehört nach dem gegenwärtigen Wissensstand zu den bedeutendsten vor- und frühgeschichtlichen Höhensiedlungen in Deutschland. Der markante Berg ist der Ausläufer eines Juraplateaus, das im Westen an der sich weit öffnenden Hersbrucker Bucht zum Pegnitztal hin endet Er trägt zwei eindrucksvolle Bodendenkmäler die seit der Altsteinzeit begangene Höhle »“Hohler Fels“ und den 4,5 km langen Ringwall Seine 88.25 ha große Innenfläche ist in der Größe vergleichbar mit der mittelalterlichen Reichsstadt Nürnberg.

Von Menschen wurde der Berg seit der mittleren Steinzeit (ca. 10000-4000 v. Chr.) aufgesucht, die Höhle im „Hohlen Fels“ dagegen bereits ab der mittleren Altsteinzeit (seit ca. 60000 v. Chr.) als Jagdstation immer wieder genutzt. Eine Besiedlung des Berges ist von der mittleren Bronzezeit (1600-1300 v Chr.) an nachzuweisen. In der späten Urnenfelderzeit (um 800 v. Chr.) wird der Berg erstmals befestigt, wie die Grabungen am Ostwall 1982 zeigten.

Der Schwerpunkt der vorgeschichtlichen Siedlungstätigkeit ist für die Späthallstattzeit/ Frühlaténezeit (ca. 550 – 400 v. Chr.) zu erschließen. In dieser Phase wird der Berg von den Kelten durch einen großen Ringwall zur Verteidigungsanlage ausgebaut Viele Funde lassen darauf schließen, dass die Houbirg zu dieser Zeit zentraler Mittelpunkt eines größeren Siedlungsraumes früher Kelten war und in Unruhezeiten auch Schutz für die in der Umgebung lebende Bevölkerung bot.

Mit dem Einsetzen der großen Keltenwanderungen bricht die Besiedlung auf der Houbirg um 400 v. Chr. abrupt ab. Im Gegensatz zu benachbarten Höhensiedlungen, wie z.B. dem Staffelberg bei Staffelstein, erreicht die Houbirg in der Spätlaténezeit nicht mehr ihre frühere Bedeutung. Die wenigen Fundstücke aus der mittleren und späten Laténezeit können ein oft vermutetes Oppidum (= stadtähnliche Siedlung) nicht bestätigen.

In der Folgezeit war der Platz über mehrere Jahrhunderte lang unbewohnt Erst in der spätrömischen Kaiserzeit, dem 4 -5. Jhd. wurde die Houbirg von
Germanen wieder aufgesucht. Obwohl das Fundgut sich in den letzten Jahren erfreulicherweise vermehrte, ist noch unklar, ob der Berg sich zu einer der germanischen Burgen entwickelt hat.




 
Erstellt 12.05.2013 | Letztes Update 13.05.2013 | 4135 Aufrufe