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Bürg Irnsing

Topografische Karten weisen das Gelände sie lapidar als Schanze aus, Mutmaßungen sehen in ihr ein römisches Kastell und in der Gegend ist es eine Bürg. Als ich das Gelände betrat, wurde ich sofort an die Wallanlage in Ried erinnert, die sehr ähnlich aussieht. Nach einem Rundgang war ich mir sicher, dass es sich bei der Anlage um eine vorgeschichtliche Siedlung mit Wallanlage handelt.

Entlang dem steilen Hochufer der Donau kommt man an diesen schönen Ort. Man betritt den Innenraum und spürt die Besonderheit dieses Platzes, der eine lange Geschichte aufweisen kann. Hier lässt es sich dank der Abgeschiedenheit gut zur Ruhe kommen.

Geschichte
Die Bürg liegt nordöstlich vom Dorf auf einer bedeutenden Anhöhe, die das gegenüberliegende Donauufer und damit auch das Römerlager Abusina Überragt. Die Befestigungsanlage hat die Form eines unregelmäßigen, stark abgerundeten Vierecks von 250 Meter Länge, von 120 bis 150 Meter Breite und von 2,93 ha Fläche. In dem von einem Graben umgebenen Wall ist größtenteils eine 1,40 ‑ 1,70 m breite Mauer von 350 m Länge, die nur stellenweise aus dem Erdwall herausragt. Nur ein Zugang führt in das Innere, das von mehreren Terrassen durchzogen ist, die auf früheren Weinbau schließen lassen. Am Südfuß der steil abfallenden Schanze quillt eine Schwefelquelle heraus.

Am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden von der Limeskommission sachkundige Grabungen vorgenommen. Professor Fink (München) schreibt darüber (Limes-Blatt Nr. 15, Jahrgang 1895):”Die viel umstrittene Schanze bei Irnsing gab kein einziges Fundstück aus römischer Zeit; dagegen fanden sich, in schwarze Erde eingebettet, viele unzweifelhaft prähistorische Scherben. Erweckt schon die halbrunde Form der Anlage erhebliche Zweifel an einen römischen Ursprung, so wurden diese durch die Wahrnehmung, daß eine breite Mauer in den Wall gelegt war, noch gemehrt; denn der einzige, auffindbare Eingang ist ähnlich wie beim Manchinger Ringwall durch ein Zurückbiegen der Wallmauer gebildet. So interessant das Werk auch immer ist, mit dem römischen Grenzwall kann es sicherlich in keiner Beziehung gestanden haben.”

Man sieht heute in der Burg eine Fliehburg gegen die Ungarn etwa aus dem 9. oder 10. Jahrhundert (Deutsche Gaue, Bd.XXI, 1920, S. 69).

Anfahrt
In Irnsing fährt man in Richtung Kelheim. Nach dem Ortsende kommt links bald ein Marterl, an dem man rechts auf den gegenüberliegenden Feldweg einbiegt. Dann fährt diesen Weg, es kommt eine scharfe Links-, dann eine scharfe Rechtskurve; und am Ende des geteerten Teils der Straße parkt man. Die Schanze sieht man hier bereits links liegen. Dann läuft man den ungeteerten Feldweg weiter und geht am Wald links in Richtung Schanze.

Genauer Standort
Google: 48.841418,11.75751 (Anleitung)
Google Earth: Download KMZ-File
GPS-Daten: Download GPX-File

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2 Kommentare zu “Bürg Irnsing”

    Gravatar von z.franz z.franz 26. Feb 2012  

    Ich bin die Bürg auch gerade abgegangen.

    Auch ich, allerdings ein Laie, kann darin eine vorgeschichtliche Wehrsiedlung erkennen. Für mich scheint es ausgeschlossen, dass die wenigen Bauern, die hier im 9 Jahrhundert lebten und sich gegen die Ungarn zu wehren hatten, mit ihren wenigen Ressourcen außerhalb ihrer Dörfer eine derart mächtige Anlage zum gelegentlichen Gebrauch errichten konnten bzw wollten. Und hätten die Menschen bei Auftauchen der ersten Ungarnhorden zu Hunderten oder Tausenden (so viele hatten in der Bürg wohl Platz) ihre Dörfer samt Eigentum verlassen sollen, um kilometerweit zur ressourcelosen Bürg zu flüchten bzw sich hier zu verteidigen? Nein, das ließen die Umstände nicht zu; dazu hatten sie keine Zeit (…also keine Fliehburg gegen die Ungarn).

    Die exponierte Lage auf dem hohen Donausteilufer und der enorme Aufwand bei Erstellen der Wall-, Mauer- und Grabenanlagen, lassen den Schluss zu, dass sich Menschen, die hier auf der Bürg lebten schützen wollten. Zur Errichtung solcher Anlagen waren, wie man es von Manching und Alkemoenis her kennt nur die Kelten in der Lage. Nachdem grabungstechnisch römischer Ursprung ausgeschlossen und mittelalterlicher unwahrscheinlich ist, wird es sich bei der Bürg wohl um ein “kleineres?” keltisches Oppidum gehandelt haben, über welches mehr zu erfahren sehr interessant wäre.


    Gravatar von Stephan Gröschler Stephan Gröschler 28. Feb 2012  

    Das, was bis jetzt von der Bürg Irnsing bekannt ist, sind ja keine Mutmaßungen, sondern wurde von Experten festgestellt. Ob das dann auch wirklich so wahr, ist nicht gesichert.

    Aus meinem Gefühl heraus könnte die Bürg auf jeden Fall ein keltischer Ort gewesen sein. Das Oppidum Manching als Stadt an dem “natürlichen” Grenzverlauf zwischen Keltenland und dem Süden, im Hinterland die Viereckschanzen Imbath, Hellmannsberg, Biber, Böhmfeld und Schelldorf. Da erst wieder weiter in Richtung Osten Vierschanzen liegen (Einmuß, Holzharlanden, Unterschambach) könnte das gut ein strategisch wichtiger Kontrollpunkt der Kelten gewesen sein. Eine Vermutung, aber sicher nicht weit hergeholt. Klarheit würden natürlich neue, ausführliche Grabungen bringen.


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