Katharinenkapelle Hechlingen

Auf dem Kapellenberg über Hechlingen am See, steht deutlich sichtbar die Ruine der Katharinenkapelle. Auf mich übte diese markante Ruine sofort eine magische Anziehungskraft aus und als ich dann auf dem Berg vor ihr stand, merkte ich, dass dieser Ort ungewöhnlich kraftvoll ist!

Sehr beeindruckend ist die schlichte Ausstattung der Kirche; die Ruinenreste, ein Kreuz und wenige Bänke. Das reduziert einen Kirchenbesuch auf das Wichtigste, nämlich den Glauben – nicht abgelenkt von Gold und pompöser Symbolik. Und der stete Wind erinnert einen an die Verbundenheit mit der Natur.

Geschichte
Östlich von Hechlingen und dem Tal der Rohrach steigt der Kapellbuck auf 585 m Höhe an. Die weithin sichtbare Kuppe trägt die Ruine einer kleinen Kirche, die der heiligen Katharina geweiht ist. Nach den Stilformen der Baureste dürfte das Gotteshaus in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erbaut worden sein. 1457 wird die Stiftung einer Frühmesse durch den Bischof von Eichstätt bestätigt.
Als vielbesuchter Wallfahrtsort erlangte die Katharinenkapelle vor der Reformation Berühmtheit und auch später noch wurde sie von Katholiken besucht, die als Pilger von Mitteleschenbach nach Maria Brünnlein bei Wemding reisten. Die Institution der Frühmesse (Kaplanei) blieb noch bis zu ihrer Auflösung durch die preußische Regierung im Jahre 1802 bestehen.

Das Mauerwerk der Katharinenkapelle ist aus Kalkbruchstein. Sie ist als einschiffiger Bau mit drei Jochen errichtet. Den Raum überspannte ein Netzgewölbe, die Fenster waren spitzbogig und besaßen wahrscheinlich kein Maßwerk Rippen, Konsolen und Fenstergewände waren aus gelbem Sandstein gearbeitet. Strebenpfeiler stützten an der Außenseite das Gewölbe. Von der Kapelle sind heute nur noch die Um-fassungsmauern in unterschiedlicher Höhe und die Reste des Chorabschlusses (Lettner) erhalten. Die Zerstörung des Baudenkmals setzte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein. 1715 wurde die Renovierung beantragt, jedoch nicht genehmigt. In der Folgezeit diente das Kirchlein den Bewohnern der Umgebung als Steinbruch. Noch 1761 waren Reste von farbigen Wandgemälden sichtbar. 1880 stürzte der Turm ein, die beiden Glocken der Kapelle kamen in die Kirche von Hechlingen. Den fortschreitenden Verfall versuchte man 1887 durch den Bau neuer Strebepfeiler, und 1903 durch weitere Sicherungsarbeiten zu mindern.

Im Zuge der Flurbereinigung gelang es, weitere Grundstücke um die Ruine in öffentlichen Besitz zu überführen. 1976 fand eine kleine Sondierungsgrabung statt, bei der vor der Nordfront der Kapelle die Grundmauern von anderen Gebäuden festgestellt wurden. Eine Zisterne sowie die große Anzahl aufgefundener Tongefäßscherben lassen vermuten, dass in der Frühzeit der Kapelle, vielleicht auch schon im 13. und 14. Jahrhundert, auf dem Berg ein Anwesen bestand, bei dem es sich möglicherweise um die Behausung des Frühmessers handelte.

Nördlich der Kapellenruine steht seit 1999 ein Glockenturm. Das „Glöcklein“ auf diesem Turm ist eine der beiden 1880 nach den Einsturz des Turms nach Hechlingen gebrachten Glocken. Diese wurde 1875 von der Kirchengemeinde Hechlingen nach Winkelhaid bei Windsbach verkauft. Im Rahmen der 1100-Jahrfeier von Hechlingen a. See im Jahr 1999 erwarb man die Glocke zurück. Damit die Glocke wieder an ihrem ursprünglichen Wirkungsort zurückkehren konnte, wurde der Glockenturm nördlich der Ruine errichtet.

„Margareta mit dem Wurm,
Barbara mit dem Turm,
Katharina mit dem Radi,
das sind die drei heiligen Madl.“

Anfahrt
In Hechlingen am See fährt man auf der Treuchtlinger Straße in Richtung Schlittenhart. Am Ortsende fährt man die erste Straße nach dem Ortsschild links den Berg hinauf.

Genauer Standort
Google: 48.97971,10.742311 (Anleitung)
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Erstellt 04.04.2011 | Letztes Update 04.04.2011 | 4492 Aufrufe