Ruine Heilingskirche

Von der wohl zwischen 1433 und 1469 erbauten Wallfahrtskirche steht nur noch die westliche Giebelfront aufrecht. Die Heilingskirche wurde den „Drei Marien“, „Maria Jacobi (Kleophas), Maria Salome und Maria Magdalena“, geweiht. Die drei Frauen waren Zeugen der Verkündigung der Auferstehung Jesu Christi am Ostermorgen.

Die erste kurze Erwähnung der Kirche in einer Druckschrift datiert in das Jahr 1692. In einer Beschreibung des Fichtelgebirges und seiner Umgebung findet sich geschrieben: „Auf dem Kniesteig liegen die rudera der alten Capelle S. Leonhardi, und fürterhin der drey h. Marien-Kirchen, mitten im Pfarrfeld, unweit des Dorfes Neufang, wo hiebevor ein gutes Eissenbergwerk lange Zeit gebauet worden.“ Das stattliche Gotteshaus wurde vor und angeblich auch nach der Reformation von Wallfahrern stark besucht.

Bei Ausgrabungen im Jahr 1936 wurde festgestellt, dass die Kirche 100 Fuß lang und 42 Fuß breit war und eine Sakristei hatte. Der Baustil wurde als gotisch ermittelt. Die noch stehende Mauer hat in der Mitte ein breites Eingangstor, von dem rechts und links in Brusthöhe ein etwa zehn Zentimeter hoher und breiter, rechtwinkliger Kanal in die Mauer führt. Da er sehr kurz ist, ist er vermutlich der Platz für den Querriegel, um das Tor von außen zu versperren.
Ruine Heilingskirche
Zwei Jahre nach der Reformation im Kulmbacher Land, 1530, wurde ein „Verzeichnis der Kirchenkleinodien“ erstellt. Für die Kirche „zu den dreien Marien ob Wirsberg“ sind registriert: „2 Kelche, 2 Ornate, 2 kleine Messbücher, das eine aus Papier, das andere aus Pergament.“ 1561 wurde auf Befehl des Hauptmanns auf dem Gebirg, Wolf von Schaumburg, entgegen dem Willen des Rates von Wirsberg die Kirchenglocke abgenommen und der Plassenburg in Kulmbach übereignet. Die versprochene Rückführung erfolgte nie mehr.

Die Kirche verfiel nach der Reformation 1528 und wurde 1564 auf Antrag des Marktes Wirsberg abgebrochen. Die Wirsberger haben von diesen Steinen ihr erstes Schulhaus errichtet. Bei Renovierungsarbeiten in diesem Haus im Jahr 1926 fand man drei Teile von einer spätgotischen „Gethsemane-Gruppe“, und zwar den Kopf Christi und den Kopf und den Torso von Petrus mit dem Schwert, womit er Malchus das Ohr abschlug. Diese Bruchstücke wurden als Mauersteine verwendet und dürften aus der Heiligenkirche stammen. Der Petrus-Korso ist erhalten geblieben und ist im Wirsberger Rathaus ausgestellt. Auch verschiedene Neufanger Häuser und Ställe wurden von Steinen der Heilingskirche errichtet.

Sagen
Viele Sagen ranken sich um das Jahrhunderte alte Gemäuer. So sollen in einem unterirdischen Gang zwölf goldene Apostel vor den Hussiten versteckt worden sein. Weiterhin sollen Steine, die tags zuvor aus der Kirche ausgebrochen und für private Bauten verwendet wurden, am nächsten Tag wieder fest eingefügt im Mauerwerk der Kirche gesehen worden sein. Immer, wenn Steine für Ställe verwendet wurden, sollen Vieh- und Schweinesterben ausgebrochen sein. Eine weitere Sage erzählt davon, dass die Wallfahrtskirche alle hundert Jahre, am Tag ihrer Zerstörung, wieder im alten Glanz ersteht und demjenigen sichtbar wird, der sich um Mitternacht der Ruine nähert.

Anfahrt
Man fährt in den Ort Wirsberg und dort folgt man der Wegweisung nach Neufang. Bevor man direkt in Neufang ist, fährt man an der ersten Scheune rechts auf den Feldweg und parkt dort. Dann läuft man diesen Feldweg bis zum Wald weiter, wo sich auch die Ruinenkirche befindet.

Genauer Standort
Google: 50.117231,11.606438 (Anleitung)




 
Erstellt 14.09.2013 | Letztes Update 14.09.2013 | 2115 Aufrufe