Die Gleßbrunnen bei Wolkertshofen

Absolut unscheinbar und versteckt liegen die Gleßbrunnen nahe des Ortsrandes Wolkertshofen. Ein Weg führt an einem Moosgraben entlang zu einer Baumgruppe, wo die geheimnisvollen Brunnen idyllisch zwischen Schilf und Büschen liegen. Von außen sieht man nicht, welches mystisch anmutende Kleinod sich hier verbirgt. Selten habe ich so kraftvolle und geheimnisvolle Quellen besucht und die Bilder zeigen das gut!

Diese geheimnisvollen Quellweiher regten nämlich die Fantasie der Bewohner des Schuttertales mächtig an. Sie hatten etwas Bedrohliches an sich und wurden für unergründlich gehalten, so dass man dem Volksglauben nach sogar die Kirche darin hätte versenken können. Man glaubte, dass Irrlichter auf den Mooswiesen und Moosgräben den Wanderer ins Verderben führten, indem sie ihn zu den Tümpeln und Brunnen leiteten. In gar nicht so fernen Zeiten wurde in Nassenfeis am Abend noch die Irrglocke geläutet, damit sich die Leute unterwegs von Wolkertshofen zu den Mühlen oder nach Egweil orientieren konnten.

Die Entstehung der Brunnen hat die Leute schon immer interessiert. So schreibt Karl Kugler 1868: „Merkwürdig sind sie immerhin, und wenn man in ihre schwarze Tiefe hinabschaut, kann man sich kaum eines unheimlichen Gefühls erwehren. Man kommt unwillkürlich auf den Gedanken, ob nicht da unten im Grunde Röhren über einem vulkanischen Herde gewesen sein mögen.“

Entstehung
Vulkanische Kräfte waren an ihrer Entstehung nicht beteiligt. Die Gießbrunnen sind Karstquellen und fördern etwa 7001 Wasser in der Sekunde. Die Urdonau, die durch das Schuttertal etwa während der Zeit von 250.000 bis 130.000 v. Chr. geflossen ist, hat Riffe freigelegt, in denen heute das Karstwasser unter Druck nach oben dringt. Bei Bohrungen konnte festgestellt werden, dass hier im Bereich der Gießbrunnen der Riffkalk bis auf 5 – 6 m. an die Oberfläche hochkommt, während er sonst im Schuttertal 12 – 14 m tief ansteht. Je nach Einfall des Lichtes leuchten die vom Grund hoch drängenden Quellen in verschiedenen Farbtönen. Das im Haupttrichter ca. 4,5 – 6 m tiefe Karstwasser hat die typische blaue Farbe.

Ursprung
Die Namen Gieß-, Kleß-, Gläs- oder Gleißbrunnen stammen von der gleißenden bzw. glasigen Wasseroberfläche, in der sich Bäume und Büsche spiegeln.

Anfahrt
In Wolkershofen folgt man der Ausschilderung „Wolkertshofener Mühle“. Nach den letzten Häusern auf der rechten Seite fährt man an dem Schild „Anlieger frei“ rechts (und wir dürfen, weil wir ja ein Anliegen haben – nämlich dort hin zu fahren) und die Straße wenige Meter entlang, bis links die Schautafel für die Gleßbrunnen kommt. Dortz parkt man.

Genauer Standort
Google: 48.793776,11.254731 (Anleitung)




 
Erstellt 10.07.2012 | Letztes Update 10.07.2012 | 2718 Aufrufe