Der Frauenberg nahe Weltenburg

Der an zwei Seiten von der Donau und von Steilabfällen geschützte und daher leicht zu verteidigende Frauenberg war in den letzten Jahrtausenden v. Chr. mehrmals Hauptort der umgebenden Landschaft. Zeugnis hierfür legen die zahlreichen archäologischen Funde ab, die auf der 9 ha großen Fläche zwischen dem Kloster und dem Wolfgangswall zutage treten. Allerdings steht die systematische Erforschung des Frauenberges erst am Anfang, da nur ganz geringe Teilflächen wirklich archäologisch untersucht sind.

Erste Ausgrabungen fanden 1909 im Kloster selbst und im anschließenden Klostergarten statt. Man entdeckte dabei neben zwei Abfallgruben der älteren Bronzezeit (18./17. Jhd. v. Chr.) auch Siedlungsspuren der Urnenfelderzeit (13./ 8. Jhd. v. Chr.), sowie der älteren Laténezeit (4./ 3. Jhd. v. Chr.). Besonders bedeutsam war die Entdeckung eines keltischen Friedhofes. Die drei hier freigelegten Toten bestattete man ebenfalls im 4. u. 3. Jhd. v. Chr.

Erst 1938 kam es zur nächsten Ausgrabung. Dabei wurde nahe des Nordostabfalles des Berges eine kleine Fläche aufgedeckt. Wiederum waren Siedlungsspuren der älteren Bronzezeit und der frühen Laténezeit zu beobachten. Auch hatte man an dieser Stelle mitten in der Siedlung ein keltisches Kind beigesetzt.

1966 wurde es notwendig, den schmalen Streifen zwischen dem Südwestende des Wolfgangswalles und dem Steilabfall zu untersuchen. Dies führte zur Entdeckung einer durch einen Steinturm befestigten Toranlage.

1978 bis 1980 schließlich grub man in einer Fläche am südwestlichen Steilabfall. Wie man anhand von Zufallsfunden vermutet hatte, stieß man hier auf ein spätrömisches Kleinkastell, barg aber auch zahlreiche ältere Kleinfunde. Ein zur Mitte des Berges hin vorgetriebener Suchschnitt traf auf eine Vorratsgrube der älteren Bronzezeit, in der mehrere vollständige Gefäße lagen.

Zusammenfassend lässt sich von der Besiedlung des Frauenberges folgendes Bild entwerfen. Eine erste Besiedlung fand während der mittleren Jungsteinzeit statt (um 3600 bis 2800 v. Chr.). 2200 v. Chr., in der ausgehenden Jungsteinzeit, wohnten dann wieder Menschen hier. Als zentraler Oft ist der Frauenberg allerdings erst in der frühen Bronzezeit (18. / 17. V. Chr.) anzusprechen. In dieser Zeit dürfte der Berg auch befestigt worden sein. In der darauffolgenden mittleren Bronzezeit (16. 14. Jhd. v. Chr.) war die Bedeutung der Siedlung im schwinden Eine zweite Blüte erlebte der Frauenberg in der Urnenfelderzeit (13. 8 Jhd. v. Chr.). Aus der nachfolgenden Hallstattzeit (7./ 5. Jhd. v Chr.) dagegen gibt es nur wenige Funde. Zum dritten Mal wurde der Berg in der älteren Laténezeit (5. 2. Jhd. v. Chr.) Mittelpunkt. In der jüngeren Laténezeit (2. 1 Jhd. v.Chr.) zog die Bevölkerung dann wohl über die Donau in die neu gegründete Stadt Alkimoennis

In römischer Zeit diente der Berg von etwa 40 bis 70 n. Chr. als vorgeschobene Militärstation. Erst in spätantiker Zeit wurde der Berg von den Römern wieder militärisch genutzt. In der Zeit der Ungarneinfälle im 10. Jhd. schließlich befestigte man den Berg aufs Neue. Nach dem Sieg gegen die Ungarn 952 verfielen die Wehranlagen und der Berg wurde bis zum heutigen Tage nur noch landwirtschaftlich genutzt.

Anfahrt
Von Weltenburg fährt man in Richtung Kelheim und fährt an der Steigung schräg links in die Arzbergstr. hinein. Nach ca. 350 m biegt man links nach Arzberg ab. Nach ca. 250 m parkt man nach dem Wald. Dann geht man einfach geradeaus und ist auf dem Frauenberg. Dort befindet sich der Wolfgangswall und das römische Kleinkastell. (Für Plan auf Bild klicken)

Genauer Standort
Google: 48.895703,11.823993 (Anleitung)

Römisches Kleinkastell

Wolfgangswall




 
Erstellt 08.06.2012 | Letztes Update 08.06.2012 | 2997 Aufrufe