Marienhof München

Im Übergang zur Neuzeit

München um 1570
Das Holzmodell des Straubinger Drechslermeisters Jakob Sandtner ist die früheste bildliche Darstellung des Viertels um 1570 bis 1572. Zu jener Zeit wohnen in diesem Teil der Stadt, und das wird sich im Laufe der folgenden Jahre wenig ändern, neben Handwerkern und Gastwirten auffallend viele Beamte und Hofbedienstete. Sie wohnen in direkter Nähe zu ihrem Arbeitgeber, dem Herzog, der im Mittelalter im östlich anschließenden Alten Hof residierte.

Um 1585 erfährt die Bebauung nördlich der Landschaftstraße eine gravierende Veränderung: Unter Teilabbruch des Hauses Nr. 5 wird durch Anlage des „Zwerchgässels“ (oder auch „Kleine Landschaftsgasse“) die Landschaftstraße mit der Gruftstraße verbunden.

Aufbruch zur Moderne

Barockzeit
Im 17. und 18. Jahrhundert sehnten sich die Stadtbewohner nach Licht, die Ansprüche an das Wohnen stiegen. Umbauten, Aufstockungen und Fenstervergrößerungen veränderten das Gesicht der Häuser zwischen Wein-und Dienerstraße. An der Weinstraße (Nr. 13) entstand ab 1690 als Stiftung des Kurfürsten Max Emanuel nach Plänen von Hofbaumeister Henrico Zuccalli der vierflügelige Neubau des Instituts der Englischen Fräulein mit Kloster, Schule und Kapelle. Seit seiner Gründung 1627 durch Maria Ward persönlich war das Münchner Institut zum Sitz der Generaloberin und ein Zentrum des Ordens geworden. Nach der Aufhebung 1808 wurde der Gebäudekomplex bis 1812 als Innenministerium, ab 1827 als Sitz der Polizeidirektion genutzt.

19.Jahrhundert
Mit der Erhebung Bayerns zum Königreich 1806 und Münchens zur „Königlich bayerischen Haupt-und Residenzstadt“ wurde der Platzbedarf der staatlichen und städtischen Verwaltung in der Innenstadt stetig größer.

Nach Auflösung des Instituts der Englischen Fräulein an der Weinstraße im Jahre 1808 stand der große Baukomplex leer. 1810/ 11 wurde das Haus nach den Plänen von Carl von Fischer und Emanuel Joseph von Herigoyen umgebaut. 1826 zog hier die „Königliche Polizeidirektion“ ein. Mit dem Umzug der Polizei in den ab 1914 an der Ettstraße errichteten Neubau (an Stelle des Augustinerklosters) zogen Teile der Münchner Stadtverwaltung in den Baukomplex an der Weinstraße ein.

Am östlichen Ende des Gebäuderiegels zur Dienerstraße wurde um 1850 die ehemals sehr kleinteilige Bebauung durch die Errichtung des Hotels „Zur Blauen Traube“ aufgegeben und ein „architektonischer Übergang“ in das aufstrebende moderne München erreicht. Mit dem Umbau des seit 1872 umbenannten Luxushotels „Englischer Hof“ im Jahre 1898/ 99 fand das Viertel auf dem heutigen Marienhof zunächst seinen baulichen Abschluss vor seiner Zerstörung 1944.




 
Erstellt 12.08.2011 | Letztes Update 28.01.2013 | 12924 Aufrufe