Druidenhain bei Wohlmannsgesees

Langsam steigt die Sonne über den Horizont und wirft ihr Licht auf eine gespentsich anmutende Szenerie: große und kleine, seltsam und bizarr anmutende Steine und Steinblöcke; scheinbar bewusst, aber auch wirr angeordnet. Mächtige Bäume wuchern gen Himmel und ihre unförmigen Wurzeln finden zwischen bemoosten Steinen Halt. Es liegt eine ungewöhnliche und mystische Ruhe in der Luft; geheimnisvoll offenbart sich dieser Ort dem Betrachter. Es liegt Geschichte in der Luft und wer sich auf darauf einlässt, deutet sie in seinem Sinne. Ein sensationell kraftvoller, mystischer und geheimnisvoller Ort der Kraft!

Etwa seit Beginn des der Jahrhundertwende hat sich für das etwa 8400 qm große Waldstück im „Esbach“ mit seiner eigentümlichen Anhäufung von Jurafelsen der Name „Druidenhain“ eingebürgert. Die auffällige Anordnung der Steine und ihre zum Teil seltsamen Ausformungen haben die Fantasie vieler Besucher angeregt. Man deutete das Felslabyrinth als alte Kultstätte der keltischen Priesterkaste der stern- und zauberkundigen Druiden. Wissenschaftlich konnte diese Vermutung allerdings bisher nie belegt werden.

Druidenhain bei Wohlmannsgesees - Übersichtsplan
Besonders auffälligen Steinen hat man Namen gegeben:
1 Pultstein 8 Opferstein
2 Schüsselstein 9 Kanzel mit Treppe  
3 Wächter  10 Loch der Irminsäule
4 Taufstein    11 Sternstein
5 Winkelstein    12 Mondkalender oder Labyrinth
6 Grab mit Heilsrune  13 Wackelstein
7 Altar 14 Eingang zur Unterwelt

Video
» Video Druidenhain

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Wer mehr über den Druidenhain unter dem Aspekt klufttektonischer und bodenkundlicher Untersuchungen erfahren möchte, findet hier interessantes Material: » Angewandte Geologie Uni Erlangen

Anfahrt
In Wohlmannsgesees fährt man in die kleine Ortschaft und dort der „Hauptstraße“ folgend in Richtung Windischgaillenreuth. Wenige hundert Meter nach dem Ortsende befindet sich links am Wald ein Parkplatz, wo man auch parkt. Dann läuft man die Straße weiter in Richtung Windischgaillenreuth. Nach wenigen Metern sieht man die Beschilderung für den Druidenhain, der rechts im Wald liegt.

Genauer Standort
Google: 49.786293,11.260557 (Anleitung)

Bilder

Geologie
Der Druidenhain liegt in 458 m Höhe auf der Hochfläche der Fränkischen Schweiz. Bekannt geworden ist er wegen der zahlreichen strukturiert ausgerichteten Steinblöcke. Die hier herausragenden Felsblöcke sind vor etwa 160 Mio. Jahren in der Periode des Jura in warmem Meerwasser entstanden, in dem Schwämme mächtige Riffe bildeten.
Bereits ab Ende des oberen Jura, über einen Zeitraum von etwa 60 Mio. Jahren bis in die mittlere Kreideperiode hinein, fiel der Bereich immer wieder trocken und es entstand die heute sichtbare Karstlandschaft mit Kesseltälern, Höhlen und Dolinen. In diesen Perioden zog sich wechselweise das Meer immer wieder zurück und überflutete diese Region dann wieder für die Dauer einiger Millionen Jahre. Die Karstlandschaft wurde seit der Oberkreide mit mächtigen Sand- und Tonsedimenten bedeckt. Im anschließenden Alttertiär, als sich vor etwa 35 Mio. Jahren neben dem Schichtstufenland auch die Alpen oder der Rheingraben bildeten, wurden die Gesteinsschichten aufgewölbt und gekippt.

Vor etwa zwei Mio. Jahren setzte erneute Erosion und Freilegung der Karst-landschaft ein, die bis heute andauert. Dabei wird das Kalk- und Dolomitgestein durch eindringendes Wasser, chemische Lösungsprozesse und Eissprengung in einzelne Blöcke aufgelöst.
Durch seine Kompaktheit und relative Festigkeit sowie die Ausbildung von ausge-waschenen Höhlungen entstanden die auf den Dolomit-Blöcken vorhandenen „Schüsseln“. Diese Auswaschungs- und Lösungsprozesse haben ebenfalls die Tropfsteinhöhlen der Region entstehen lassen. Sie können auch einzelne Gesteinsblöcke durchdringen, wodurch sog. Strudellöcher, wie im „Taufstein“ vorhanden, entstehen. Eine Untersuchung der Universität Erlangen-Nürnberg aus dem Jahre 1990 von A. Baier und Th. Hochsieder belegt, dass die allermeisten Gesteinsblöcke nach wie vor in ihrer natürlichen Entstehungsrichtung liegen und bei den wenigen lageveränderten Blöcken eine natürliche Ursache für diese Veränderung sehr wahrscheinlich ist.

Die Erscheinungsform des Druidenhains legt die Annahme nahe, dass der Ort ein Kultplatz keltischer Druiden gewesen sei. Für diese Vermutung gibt es keine unterstützenden Indizien. Die relative Nähe zu wichtigen keltischen Siedlungen schließt diese Möglichkeit allerdings nicht gänzlich aus.




 
Erstellt 16.05.2012 | Letztes Update 24.09.2012 | 13510 Aufrufe